 hatte sich dort bedeutend angesiedelt.
    Wie aber in den Söhnen sich oft ein Widerspruch hervortut gegen väterliche
Gesinnungen und Einrichtungen, so zeigte sich's auch hier. Unser Hausherr, als
Jüngling nach Europa gelangt, fand sich hier ganz anders; diese unschätzbare
Kultur, seit mehreren tausend Jahren entsprungen, gewachsen, ausgebreitet,
gedämpft, gedrückt, nie ganz erdrückt, wieder aufatmend, sich neu belebend, und
nach wie vor in unendlichen Tätigkeiten hervortretend, gab ihm ganz andere
Begriffe, wohin die Menschheit gelangen kann. Er zog vor, an den großen,
unübersehlichen Vorteilen sein Anteil hinzunehmen und lieber in der großen,
geregelt tätigen Masse mitwirkend sich zu verlieren, als drüben über dem Meere
um Jahrhunderte verspätet den Orpheus und Lykurg zu spielen; er sagte: »Überall
bedarf der Mensch Geduld, überall muss er Rücksicht nehmen, und ich will mich
doch lieber mit meinem Könige abfinden, dass er mir diese oder jene Gerechtsame
zugestehe, lieber mich mit meinen Nachbarn vergleichen, dass sie mir gewisse
Beschränkungen erlassen, wenn ich ihnen von einer andern Seite nachgebe, als dass
ich mich mit den Irokesen herumschlage, um sie zu vertreiben, oder sie durch
Kontrakte betriege, um sie zu verdrängen aus ihren Sümpfen, wo man von Moskitos
zu Tode gepeinigt wird.«
    Er übernahm die Familiengüter, wusste sie freisinnig zu behandeln, sie
wirtschaftlich einzurichten, weite, unnütz scheinende Nachbardistrikte klüglich
anzuschließen und so sich innerhalb der kultivierten Welt, die in einem gewissen
Sinne auch gar oft eine Wildnis genannt werden kann, ein mässiges Gebiet zu
erwerben und zu bilden, das für die beschränkten Zustände immer noch utopisch
genug ist.
    Religionsfreiheit ist daher in diesem Bezirk natürlich, der öffentliche
Kultus wird als ein freies Bekenntnis angesehen, dass man in Leben und Tod
zusammengehöre; hiernach aber wird sehr darauf gesehen, dass niemand sich
absondere.
    Man wird in den einzelnen Ansiedelungen mäßig große Gebäude gewahr; dies ist
der Raum, den der Grundbesitzer jeder Gemeinde schuldig ist; hier kommen die
Ältesten zusammen, um sich zu beraten, hier versammeln sich die Glieder, um
Belehrung und fromme Ermunterung zu vernehmen. Aber auch zu heiterem Ergötzen ist
dieser Raum bestimmt: hier werden die hochzeitlichen Tänze aufgeführt und der
Feiertag mit Musik geschlossen.
    Hierauf kann uns die Natur selbst führen. Bei heiterer Witterung sehen wir
gewöhnlich unter derselben Linde die Ältesten im Rat, die Gemeinde zur Erbauung
und die Jugend im Tanze sich schwenkend. Auf ernstem Lebensgrunde zeigt sich das
Heitere so schön, Ernst und Heiligkeit mäßigen die Lust, und nur durch Mäßigung
erhalten wir uns.
    Ist die Gemeinde anderes Sinnes und wohlhabend genug, so steht es ihr frei,
verschiedene Baulichkeiten den verschiedenen Zwecken zu widmen.
    Wenn aber dies alles aufs Öffentliche und gemeinsam Sittliche berechnet
