 er später bereute.
Bei einer hochachtungsvollen Freundschaft sprach er von einer dauerhaften,
geheimen, gesetzmässigen Verbindung. Er beklagte sich auch wohl und sprach das
Wort Undankbarkeit aus. Gewiss kannte er die nicht, die er liebte, als er eines
Tages zu ihr sagte, dass viele Wohltäter Übles für Gutes zurückerhielten. Ihm
antwortete die Unbekannte mit Geradheit: »Viele Wohltäter möchten ihren
Begünstigten sämtliche Rechte gern abhandeln für eine Linse.«
    Die schöne Fremde, in die Bewerbung zweier Gegner verwickelt, durch
unbekannte Beweggründe geleitet, scheint keine andere Absicht gehabt zu haben,
als sich und andern alberne Streiche zu ersparen, indem sie in diesen
bedenklichen Umständen einen wunderlichen Ausweg ergriff. Der Sohn drängte mit
der Kühnheit seines Alters und drohte, wie gebräuchlich, sein Leben der
Unerbittlichen aufzuopfern. Der Vater, etwas weniger unvernünftig, war doch
ebenso dringend; aufrichtig beide. Dieses liebenswürdige Wesen hätte sich hier
wohl eines verdienten Zustandes versichern können: denn beide Herren von Revanne
beteuren, ihre Absicht sei gewesen, sie zu heiraten.
    Aber an dem Beispiele dieses Mädchens mögen die Frauen lernen, dass ein
redliches Gemüt, hätte sich auch der Geist durch Eitelkeit oder wirklichen
Wahnsinn verirrt, die Herzenswunden nicht unterhält, die es nicht heilen will.
Die Pilgerin fühlte, dass sie auf einem äußersten Punkte stehe, wo es ihr wohl
nicht leicht sein würde, sich lange zu verteidigen. Sie war in der Gewalt zweier
Liebenden, welche jede Zudringlichkeit durch die Reinheit ihrer Absichten
entschuldigen konnten, indem sie im Sinne hatten, ihre Verwegenheit durch ein
feierliches Bündnis zu rechtfertigen. So war es, und so begriff sie es.
    Sie konnte sich hinter Fräulein von Revanne verschanzen; sie unterließ es,
ohne Zweifel aus Schonung, aus Achtung für ihre Wohltäter. Sie kommt nicht aus
der Fassung, sie erdenkt ein Mittel, jedermann seine Tugend zu erhalten, indem
sie die ihrige bezweifeln lässt. Sie ist wahnsinnig vor Treue, die ihr Liebhaber
gewiss nicht verdient, wenn er nicht alle die Aufopferungen fühlt, und sollten
sie ihm auch unbekannt bleiben.
    Eines Tages, als Herr von Revanne die Freundschaft, die Dankbarkeit, die sie
ihm bezeigte, etwas zu lebhaft erwiderte, nahm sie auf einmal ein naives Wesen
an, das ihm auffiel. »Ihre Güte, mein Herr«, sagte sie, »ängstigt mich; und
lassen Sie mich aufrichtig entdecken, warum. Ich fühle wohl, nur Ihnen bin ich
meine ganze Dankbarkeit schuldig; aber freilich -« - »Grausames Mädchen!« sagte
Herr von Revanne, »ich verstehe Sie. Mein Sohn hat Ihr Herz gerührt.« - »Ach!
mein Herr, dabei ist es nicht geblieben. Ich kann nur durch meine Verwirrung
ausdrücken -« - »Wie
