 nun beim Vorlesen jene
ganz allein zu beachten und zu üben ist, so bleibt offenbar, dass Vorlesungen die
Schule des Wahren und Natürlichen bleiben müssen, wenn Männer, die ein solches
Geschäft übernehmen, von dem Wert, von der Würde ihres Berufs durchdrungen sind.
Shakespeare und Kalderon haben solchen Vorlesungen einen glänzenden Eingang
gewährt; jedoch bedenke man immer dabei, ob nicht hier gerade das imposante
Fremde, das bis zum Unwahren gesteigerte Talent der deutschen Ausbildung
schädlich werden müsse!
Eigentümlichkeit des Ausdruckes ist Anfang und Ende aller Kunst. Nun hat aber
eine jede Nation eine von dem allgemeinen Eigentümlichen der Menschheit
abweichende besondere Eigenheit, die uns zwar anfänglich widerstreben mag, aber
zuletzt, wenn wir's uns gefallen ließ, wenn wir uns derselben hingäben, unsere
eigene charakteristische Natur zu überwältigen und zu erdrücken vermöchte.
Wieviel Falsches Shakespeare und besonders Kalderon über uns gebracht, wie diese
zwei großen Lichter des poetischen Himmels für uns zu Irrlichtern geworden,
mögen die Literatoren der Folgezeit historisch bemerken.
Eine völlige Gleichstellung mit dem spanischen Theater kann ich nirgends
billigen. Der herrliche Kalderon hat so viel Konventionelles, dass einem
redlichen Beobachter schwer wird, das große Talent des Dichters durch die
Teateretikette durchzuerkennen. Und bringt man so etwas irgendeinem Publikum,
so setzt man bei demselben immer guten Willen voraus, dass es geneigt sei, auch
das Weltfremde zuzugeben, sich an ausländischem Sinn, Ton und Rhythmus zu
ergetzen und aus dem, was ihm eigentlich gemäß ist, eine Zeitlang herauszugehen.
Yorik-Sterne war der schönste Geist, der je gewirkt hat; wer ihn liest, fühlt
sich sogleich frei und schön; sein Humor ist unnachahmlich, und nicht jeder
Humor befreit die Seele.
»Mäßigkeit und klarer Himmel sind Apollo und die Musen.«
Das Gesicht ist der edelste Sinn, die andern vier belehren uns nur durch die
Organe des Takts, wir hören, wir fühlen, riechen und betasten alles durch
Berührung; das Gesicht aber steht unendlich höher, verfeint sich über die
Materie und nähert sich den Fähigkeiten des Geistes.
Setzten wir uns an die Stelle anderer Personen, so würden Eifersucht und Hass
wegfallen, die wir so oft gegen sie empfinden; und setzten wir andere an unsere
Stelle, so würde Stolz und Einbildung gar sehr abnehmen.
Nachdenken und Handeln verglich einer mit Rahel und Lea; die eine war anmutiger,
die andere fruchtbarer.
Nichts im Leben außer Gesundheit und Tugend ist schätzenswerter als Kenntnis und
Wissen; auch ist nichts so leicht zu erreichen und so wohlfeil zu erhandeln; die
ganze Arbeit ist Ruhigsein und die Ausgabe Zeit, die wir nicht retten, ohne sie
auszugeben.
Könnte man Zeit wie bares Geld beiseitelegen, ohne sie zu benutzen, so wäre dies
eine Art von Entschuldigung für den Müßiggang
