 ist jeder Aufstieg
die Qual des Sisyphus, jeder Niederstieg der Sturz Vulkans; sein Pfad ist
täglich von Steinen verschüttet, der Giessbach unwegsam für Schiffahrt; finden
auch seine Zwergherden notdürftige Nahrung oder sammelt er sie ihnen kärglich,
entweder die Elemente entreißen sie ihm oder wilde Bestien. Er führt ein einsam
kümmerlich Pflanzenleben, wie das Moos auf einem Grabstein, ohne Bequemlichkeit
und ohne Gesellschaft. Und diese Zickzackkämme, diese widerwärtigen Felsenwände,
diese ungestalteten Granitpyramiden, welche die schönsten Weltbreiten mit den
Schrecknissen des Nordpols bedecken, wie sollte sich ein wohlwollender Mann
daran gefallen und ein Menschenfreund sie preisen!«
Auf diese heitere Paradoxie eines würdigen Mannes wäre zu sagen, dass, wenn es
Gott und der Natur gefallen hätte, den Urgebirgsknoten von Nubien durchaus nach
Westen bis an das große Meer zu entwickeln und fortzusetzen, ferner die
Gebirgsreihe einigemal von Norden nach Süden zu durchschneiden, sodann Täler
entstanden sein würden, worin gar mancher Urvater Abraham ein Kanaan, mancher
Albert Julius eine Felsenburg würde gefunden haben, wo denn seine Nachkommen
leicht mit den Sternen rivalisierend sich hätten vermehren können.
Steine sind stumme Lehrer, sie machen den Beobachter stumm, und das Beste, was
man von ihnen lernt, ist, nicht mitzuteilen.
Was ich recht weiß, weiß ich nur mir selbst; ein ausgesprochenes Wort fördert
selten, es erregt meistens Widerspruch, Stocken und Stillstehen.
Die Kristallographie als Wissenschaft betrachtet gibt zu ganz eigenen Ansichten
Anlass. Sie ist nicht produktiv, sie ist nur sie selbst und hat keine Folgen,
besonders nunmehr, da man so manche isomorphische Körper angetroffen hat, die
sich ihrem Gehalte nach ganz verschieden erweisen. Da sie eigentlich nirgends
anwendbar ist, so hat sie sich in dem hohen Grade in sich selbst ausgebildet.
Sie gibt dem Geist eine gewisse beschränkte Befriedigung und ist in ihren
Einzelnheiten so mannigfaltig, dass man sie unerschöpflich nennen kann, deswegen
sie auch vorzügliche Menschen so entschieden und lange an sich festhält.
Etwas Mönchisch-Hagestolzenartiges hat die Kristallographie und ist daher sich
selbst genug. Von praktischer Lebenseinwirkung ist sie nicht; denn die
köstlichsten Erzeugnisse ihres Gebiets, die kristallinischen Edelsteine, müssen
erst zugeschliffen werden, ehe wir unsere Frauen damit schmücken können.
Ganz das Entgegengesetzte ist von der Chemie zu sagen, welche von der
ausgebreitetsten Anwendung und von dem grenzenlosesten Einfluss aufs Leben sich
erweist.
Der Begriff vom Entstehen ist uns ganz und gar versagt; daher wir, wenn wir
etwas werden sehen, denken, dass es schon dagewesen sei. Deshalb das System der
Einschachtelung kommt uns begreiflich vor.
Wie manches Bedeutende sieht man aus Teilen zusammensetzen; man betrachte die
Werke der Baukunst, man sieht manches sich regel- und unregelmäßig anhäufen;
daher ist uns der atomistische Begriff nah und bequem zur Hand, deshalb wir
