 und Zukünftige wohl befestigen. Früher oder
später bringt der Zimmermann seine vorbereiteten Kontignationen herbei, und so
steigt nach und nach das Beabsichtigte in die Höhe. Den Dachdecker rufen wir
eiligst herbei; im Innern bedürfen wir des Tischers, Glasers, Schlossers, und
wenn ich den Tüncher zuletzt nenne, so geschieht es, weil er mit seiner Arbeit
zur verschiedensten Zeit eintreten kann, um zuletzt dem Ganzen in- und auswendig
einen gefälligen Schein zu geben. Mancher Hülfsarbeiten gedenk' ich nicht, nur
die Hauptsache verfolgend.
    Die Stufen von Lehrling, Gesell und Meister müssen aufs strengste beobachtet
werden; auch können in diesen viele Abstufungen gelten, aber Prüfungen können
nicht sorgfältig genug sein. Wer herantritt, weiß, dass er sich einer strengen
Kunst ergibt, und er darf keine lässlichen Forderungen von ihr erwarten; ein
einziges Glied, das in einer großen Kette bricht, vernichtet das Ganze. Bei
großen Unternehmungen wie bei großen Gefahren muss der Leichtsinn verbannt sein.
    Gerade hier muss die strenge Kunst der freien zum Muster dienen und sie zu
beschämen trachten. Sehen wir die sogenannten freien Künste an, die doch
eigentlich in einem höheren Sinne zu nehmen und zu nennen sind, so findet man,
dass es ganz gleichgültig ist, ob sie gut oder schlecht betrieben werden. Die
schlechteste Statue steht auf ihren Füßen wie die beste, eine gemalte Figur
schreitet mit verzeichneten Füßen gar munter vorwärts, ihre missgestalteten Arme
greifen gar kräftig zu, die Figuren stehen nicht auf dem richtigen Plan, und der
Boden fällt deswegen nicht zusammen. Bei der Musik ist es noch auffallender; die
gellende Fiedel einer Dorfschenke erregt die wackeren Glieder aufs kräftigste,
und wir haben die unschicklichsten Kirchenmusiken gehört, bei denen der Gläubige
sich erbaute. Wollt ihr nun gar auch die Poesie zu den freien Künsten rechnen,
so werdet ihr freilich sehen, dass diese kaum weiß, wo sie eine Grenze finden
soll. Und doch hat jede Kunst ihre innern Gesetze, deren Nichtbeobachtung aber
der Menschheit keinen Schaden bringt; dagegen die strengen Künste dürfen sich
nichts erlauben. Den freien Künstler darf man loben, man kann an seinen Vorzügen
Gefallen finden, wenngleich seine Arbeit bei näherer Untersuchung nicht Stich
hält.
    Betrachten wir aber die beiden, sowohl die freien als strengen Künste, in
ihren vollkommensten Zuständen, so hat sich diese vor Pedanterei und
Bocksbeutelei, jene vor Gedankenlosigkeit und Pfuscherei zu hüten. Wer sie zu
leiten hat, wird hierauf aufmerksam machen, Missbräuche und Mängel werden dadurch
verhütet werden.
    Ich wiederhole mich nicht, denn unser ganzes Leben wird eine Wiederholung
des Gesagten sein; ich bemerke nur noch folgendes: Wer sich einer strengen Kunst
ergibt, muss sich ihr fürs Leben widmen. Bisher nannte man sie Handwerk, ganz
angemessen und richtig; die
