 Hauptsache wird aber sein, wenn wir
uns an Ort und Stelle befinden. Den neuen Zustand, der aber dauern soll, spricht
eigentlich das Gesetz aus. Unsre Strafen sind gelind; Ermahnung darf sich jeder
erlauben, der ein gewisses Alter hinter sich hat; missbilligen und schelten nur
der anerkannte Älteste; bestrafen nur eine zusammenberufene Zahl.
    Man bemerkt, dass strenge Gesetze sich sehr bald abstumpfen und nach und nach
loser werden, weil die Natur immer ihre Rechte behauptet. Wir haben lässliche
Gesetze, um nach und nach strenger werden zu können; unsre Strafen bestehen
vorerst in Absonderung von der bürgerlichen Gesellschaft, gelinder,
entschiedener, kürzer und länger nach Befund. Wächst nach und nach der Besitz
der Staatsbürger, so zwackt man ihnen auch davon ab, weniger oder mehr, wie sie
verdienen, dass man ihnen von dieser Seite wehe tue.
    Allen Gliedern des Bandes ist davon Kenntnis gegeben, und bei angestelltem
Examen hat sich gefunden, dass jeder von den Hauptpunkten auf sich selbst die
schicklichste Anwendung macht. Die Hauptsache bleibt nur immer, dass wir die
Vorteile der Kultur mit hinübernehmen und die Nachteile zurücklassen.
Branntweinschenken und Lesebiblioteken werden bei uns nicht geduldet; wie wir
uns aber gegen Flaschen und Bücher verhalten, will ich lieber nicht eröffnen:
dergleichen Dinge wollen getan sein, wenn man sie beurteilen soll.
    Und in eben diesem Sinne hält der Sammler und Ordner dieser Papiere mit
andern Anordnungen zurück, welche unter der Gesellschaft selbst noch als
Probleme zirkulieren und welche zu versuchen man vielleicht an Ort und Stelle
nicht rätlich findet; um desto weniger Beifall dürfte man sich versprechen, wenn
man derselben hier umständlich erwähnen wollte.
 
                                Zwölftes Kapitel
Die zu Odoardos Vortrag angesetzte Frist war gekommen, welcher, nachdem alles
versammelt und beruhigt war, folgendermaßen zu reden begann: »Das bedeutende
Werk, an welchem teilzunehmen ich diese Masse wackerer Männer einzuladen habe,
ist Ihnen nicht ganz unbekannt, denn ich habe ja schon im allgemeinen mit Ihnen
davon gesprochen. Aus meinen Eröffnungen geht hervor, dass in der alten Welt so
gut wie in der neuen Räume sind, welche einen bessern Anbau bedürfen, als ihnen
bisher zuteil ward. Dort hat die Natur große, weite Strecken ausgebreitet, wo
sie unberührt und eingewildert liegt, dass man sich kaum getraut, auf sie
loszugehen und ihr einen Kampf anzubieten. Und doch ist es leicht für den
Entschlossenen, ihr nach und nach die Wüsteneien abzugewinnen und sich eines
teilweisen Besitzes zu versichern. In der alten Welt ist es das Umgekehrte. Hier
ist überall ein teilweiser Besitz schon ergriffen, mehr oder weniger durch
undenkliche Zeit das Recht dazu geheiligt; und wenn dort das Grenzenlose als
unüberwindliches Hindernis erscheint, so setzt hier das Einfach begrenzte
beinahe noch schwerer zu überwindende Hindernisse entgegen. Die
