 Lehrer und Schüler zu bilden.
    Aber noch eines wechselseitigen Unterrichts will ich erwähnen: der Übung,
anzugreifen und sich zu verteidigen. Hier ist Lotario in seinem Felde; seine
Manöver haben etwas Ähnliches von unsern Feldjägern; doch kann er nicht anders
als original sein.
    Hiebei bemerke ich, dass wir im bürgerlichen Leben keine Glocken, im
soldatischen keine Trommeln haben; dort wie hier ist Menschenstimme, verbunden
mit Blasinstrumenten, hinreichend. Das alles ist schon dagewesen und ist noch
da; die schickliche Anwendung desselben aber ist dem Geist überlassen, der es
auch allenfalls wohl erfunden hätte.
    Das größte Bedürfnis eines Staats ist das einer mutigen Obrigkeit, und daran
soll es dem unsrigen nicht fehlen; wir alle sind ungeduldig, das Geschäft
anzutreten, munter und überzeugt, dass man einfach anfangen müsse. So denken wir
nicht an Justiz, aber wohl an Polizei. Ihr Grundsatz wird kräftig ausgesprochen:
niemand soll dem andern unbequem sein; wer sich unbequem erweist, wird
beseitigt, bis er begreift, wie man sich anstellt, um geduldet zu werden. Ist
etwas Lebloses, Unvernünftiges in dem Falle, so wird dies gleichmäßig
beiseitegebracht.
    In jedem Bezirk sind drei Polizeidirektoren, die alle acht Stunden wechseln,
schichtweise, wie im Bergwerk, das auch nicht stillstehen darf, und einer unsrer
Männer wird bei Nachtzeit vorzüglich bei der Hand sein.
    Sie haben das Recht, zu ermahnen, zu tadeln, zu schelten und zu beseitigen;
finden sie es nötig, so rufen sie mehr oder weniger Geschworne zusammen. Sind
die Stimmen gleich, so entscheidet der Vorsitzende nicht, sondern es wird das
Los gezogen, weil man überzeugt ist, dass bei gegeneinander stehenden Meinungen
es immer gleichgültig ist, welche befolgt wird.
    Wegen der Majorität haben wir ganz eigne Gedanken; wir lassen sie freilich
gelten im notwendigen Weltlauf, im höheren Sinne haben wir aber nicht viel
Zutrauen auf sie. Doch darüber darf ich mich nicht weiter auslassen.
    Fragt man nach der höheren Obrigkeit, die alles lenkt, so findet man sie
niemals an einem Orte; sie zieht beständig umher, um Gleichheit in den
Hauptsachen zu erhalten und in lässlichen Dingen einem jeden seinen Willen zu
gestatten. Ist dies doch schon einmal im Lauf der Geschichte dagewesen: die
deutschen Kaiser zogen umher, und diese Einrichtung ist dem Sinne freier Staaten
am allergemässesten. Wir fürchten uns vor einer Hauptstadt, ob wir schon den
Punkt in unsern Besitzungen sehen, wo sich die größte Anzahl von Menschen
zusammenhalten wird. Dies aber verheimlichen wir, dies mag nach und nach und
wird noch früh genug entstehen.
    Dieses sind im allgemeinsten die Punkte, über die man meistens einig ist,
doch werden sie beim Zusammentreten von mehreren oder auch wenigern Gliedern
immer wieder aufs neue durchgesprochen. Die
