 in dem Geiste unsrer Leser hervortreten
zu lassen. Folgendes ergab sich als die Quintessenz dessen, was verhandelt
wurde:
    Dass der Mensch ins Unvermeidliche sich füge, darauf dringen alle Religionen,
jede sucht auf ihre Weise mit dieser Aufgabe fertig zu werden.
    Die christliche hilft durch Glaube, Liebe, Hoffnung gar anmutig nach; daraus
entsteht denn die Geduld, ein süßes Gefühl, welch eine schätzbare Gabe das
Dasein bleibe, auch wenn ihm, anstatt des gewünschten Genusses, das
widerwärtigste Leiden aufgebürdet wird. An dieser Religion halten wir fest, aber
auf eine eigne Weise; wir unterrichten unsre Kinder von Jugend auf von den
großen Vorteilen, die sie uns gebracht hat; dagegen von ihrem Ursprung, von
ihrem Verlauf geben wir zuletzt Kenntnis. Alsdann wird uns der Urheber erst lieb
und wert, und alle Nachricht, die sich auf ihn bezieht, wird heilig. In diesem
Sinne, den man vielleicht pedantisch nennen mag, aber doch als folgerecht
anerkennen muss, dulden wir keinen Juden unter uns; denn wie sollten wir ihm den
Anteil an der höchsten Kultur vergönnen, deren Ursprung und Herkommen er
verleugnet?
    Hievon ist unsre Sittenlehre ganz abgesondert, sie ist rein tätig und wird
in den wenigen Geboten begriffen: Mäßigung im Willkürlichen, Emsigkeit im
Notwendigen. Nun mag ein jeder diese lakonischen Worte nach seiner Art im
Lebensgange benutzen, und er hat einen ergiebigen Text zu grenzenloser
Ausführung.
Der größte Respekt wird allen eingeprägt für die Zeit, als für die höchste Gabe
Gottes und der Natur und die aufmerksamste Begleiterin des Daseins. Die Uhren
sind bei uns vervielfältigt und deuten sämtlich mit Zeiger und Schlag die
Viertelstunden an, und um solche Zeichen möglichst zu vervielfältigen, geben die
in unserm Lande errichteten Telegraphen, wenn sie sonst nicht beschäftigt sind,
den Lauf der Stunden bei Tag und bei Nacht an, und zwar durch eine sehr
geistreiche Vorrichtung.
    Unsre Sittenlehre, die also ganz praktisch ist, dringt nun hauptsächlich auf
Besonnenheit, und diese wird durch Einteilung der Zeit, durch Aufmerksamkeit auf
jede Stunde höchlichst gefördert. Etwas muss getan sein in jedem Moment, und wie
wollt' es geschehen, achtete man nicht auf das Werk wie auf die Stunde?
    In Betracht, dass wir erst anfangen, legen wir großes Gewicht auf die
Familienkreise. Den Hausvätern und Hausmüttern denken wir große Verpflichtungen
zuzuteilen; die Erziehung wird bei uns um so leichter, als jeder für sich
selbst, Knecht und Magd, Diener und Dienerin, stehen muss.
    Gewisse Dinge freilich müssen nach einer gewissen gleichförmigen Einheit
gebildet werden: Lesen, Schreiben, Rechnen mit Leichtigkeit der Masse zu
überliefern, übernimmt der Abbé; seine Methode erinnert an den wechselsweisen
Unterricht, doch ist sie geistreicher; eigentlich aber kommt alles darauf an, zu
gleicher Zeit
