 und einrichten, dass er überall zu
Hause sei. Wer sich dem Notwendigsten widmet, geht überall am sichersten zum
Ziel; andere hingegen, das Höhere, Zartere suchend, haben schon in der Wahl des
Weges vorsichtiger zu sein. Doch was der Mensch auch ergreife und handhabe, der
einzelne ist sich nicht hinreichend, Gesellschaft bleibt eines wackeren Mannes
höchstes Bedürfnis. Alle brauchbaren Menschen sollen in Bezug untereinander
stehen, wie sich der Bauherr nach dem Architekten und dieser nach Maurer und
Zimmermann umsieht.
    Und so ist denn allen bekannt, wie und auf welche Weise unser Bund
geschlossen und gegründet sei; niemand sehen wir unter uns, der nicht zweckmäßige
seine Tätigkeit jeden Augenblick üben könnte, der nicht versichert wäre, dass er
überall, wohin Zufall, Neigung, ja Leidenschaft ihn führen könnte, sich immer
wohl empfohlen, aufgenommen und gefördert, ja von Unglücksfällen möglichst
wiederhergestellt finden werde.
    Zwei Pflichten sodann haben wir aufs strengste übernommen: jeden
Gottesdienst in Ehren zu halten, denn sie sind alle mehr oder weniger im Credo
verfasst; ferner alle Regierungsformen gleichfalls gelten zu lassen und, da sie
sämtlich eine zweckmässige Tätigkeit fordern und befördern, innerhalb einer jeden
uns, auf wie lange es auch sei, nach ihrem Willen und Wunsch zu bemühen.
Schließlich halten wir's für Pflicht, die Sittlichkeit ohne Pedanterei und
Strenge zu üben und zu fördern, wie es die Ehrfurcht vor uns selbst verlangt,
welche aus den drei Ehrfurchten entspriesst, zu denen wir uns sämtlich bekennen,
auch alle in diese höhere, allgemeine Weisheit, einige sogar von Jugend auf,
eingeweiht zu sein das Glück und die Freude haben. Dieses alles haben wir in der
feierlichen Trennungsstunde nochmals bedenken, erklären, vernehmen und
anerkennen, auch mit einem traulichen Lebewohl besiegeln wollen.
Bleibe nicht am Boden heften,
Frisch gewagt und frisch hinaus!
Kopf und Arm mit heitern Kräften,
Überall sind sie zu Haus;
Wo wir uns der Sonne freuen,
Sind wir jede Sorge los.
Dass wir uns in ihr zerstreuen,
Darum ist die Welt so groß.«
 
                                Zehntes Kapitel
Unter dem Schlussgesange richtete sich ein großer Teil der Anwesenden rasch empor
und zog paarweise geordnet mit weit umherklingendem Schalle den Saal hinaus.
Lenardo, sich niedersetzend, fragte den Gast: ob er sein Anliegen hier
öffentlich vorzutragen gedenke oder eine besondere Sitzung verlange? Der Fremde
stand auf, begrüßte die Gesellschaft und begann folgende Rede:
    »Hier ist es, gerade in solcher Versammlung, wo ich mich vorerst ohne
weiteres zu erklären wünsche. Diese hier in Ruhe verbliebenen, dem Anblick nach
sämtlich wackeren Männer geben schon durch ein solches Verharren deutlich Wunsch
und Absicht zu erkennen, dem vaterländischen Grund und Boden auch fernerhin
angehören zu wollen. Sie sind mir alle freundlich gegrüßt,
