 den gebührenden Platz
einzunehmen, als ein Mann von einnehmendem Wesen zu ihnen trat und sich die
Erlaubnis ausbat, an der Versammlung teilnehmen zu können. Ihm wäre nichts
abzuschlagen gewesen, so gesittet, zuvorkommend und freundlich war sein
Betragen, wodurch eine imposante Gestalt, welche sowohl nach der Armee als dem
Hofe und dem geselligen Leben hindeutete, sich höchst anmutig erwies. Er trat
mit den übrigen hinein, man überließ ihm einen Ehrenplatz; alle hatten sich
gesetzt, Lenardo blieb stehen und fing folgendermaßen zu reden an:
    »Betrachten wir, meine Freunde, des festen Landes bewohnteste Provinzen und
Reiche, so finden wir überall, wo sich nutzbarer Boden hervortut, denselben
bebaut, bepflanzt, geregelt, verschönt und in gleichem Verhältnis gewünscht, in
Besitz genommen, befestigt und verteidigt. Da überzeugen wir uns denn von dem
hohen Wert des Grundbesitzes und sind genötigt, ihn als das Erste, das Beste
anzusehen, was dem Menschen werden könne. Finden wir nun, bei näherer Ansicht,
Eltern- und Kinderliebe, innige Verbindung der Flur- und Stadtgenossen, somit
auch das allgemeine patriotische Gefühl unmittelbar auf den Boden gegründet,
dann erscheint uns jenes Ergreifen und Behaupten des Raums, im großen und
kleinen, immer bedeutender und ehrwürdiger. Ja, so hat es die Natur gewollt! Ein
Mensch, auf der Scholle geboren, wird ihr durch Gewohnheit angehörig, beide
verwachsen miteinander, und sogleich knüpfen sich die schönsten Bande. Wer
möchte denn wohl die Grundfeste alles Daseins widerwärtig berühren, Wert und
Würde so schöner, einziger Himmelsgabe verkennen?
    Und doch darf man sagen: Wenn das, was der Mensch besitzt, von großem Wert
ist, so muss man demjenigen, was er tut und leistet, noch einen größeren
zuschreiben. Wir mögen daher bei völligem Überschauen den Grundbesitz als einen
kleineren Teil der uns verliehenen Güter betrachten. Die meisten und höchsten
derselben bestehen aber eigentlich im Beweglichen und in demjenigen, was durchs
bewegte Leben gewonnen wird.
    Hiernach uns umzusehen, werden wir Jüngeren besonders genötigt; denn hätten
wir auch die Lust, zu bleiben und zu verharren, von unsern Vätern geerbt, so
finden wir uns doch tausendfältig aufgefordert, die Augen vor weiterer Aus- und
Umsicht keineswegs zu verschließen. Eilen wir deshalb schnell ans Meeresufer und
überzeugen uns mit einem Blick, welch unermessliche Räume der Tätigkeit
offenstehen, und bekennen wir schon bei dem bloßen Gedanken uns ganz anders
aufgeregt.
    Doch in solche grenzenlose Weiten wollen wir uns nicht verlieren, sondern
unsere Aufmerksamkeit dem zusammenhängenden, weiten, breiten Boden so mancher
Länder und Reiche zuwenden. Dort sehen wir große Strecken des Landes von Nomaden
durchzogen, deren Städte beweglich, deren lebendig-nährender Herdenbesitz
überall hinzuleiten ist. Wir sehen sie inmitten der Wüste, auf großen grünen
Weideplätzen
