
vom Schicksal zugedachte Schatzkästlein in dem alt-eisernen, verrosteten
Depositenkasten der Gerichtsstube zu wissen. Wünschelrutenartig zog sich die
Hand danach, mein bisschen Vernunft hielt sie zurück; ich hatte ja den
Schlüssel, das durfte ich nicht entdecken; und sollte ich mir die Qual antun,
das Schloss uneröffnet zu lassen, oder mich der unbefugten Kühnheit hingeben, es
aufzuschließen? Allein, ich weiß nicht, war es Wunsch oder Ahnung, ich stellte
mir vor, Sie kämen, kämen bald, wären schon da, wenn ich auf mein Zimmer träte;
genug, es war mir so wunderlich, so seltsam, so konfus, wie es mir immer geht,
wenn ich aus meiner gleichmütigen Heiterkeit herausgenötigt werde. Ich sage
nichts weiter, beschreibe nicht, entschuldige nicht; genug, hier liegt das
Kästchen vor mir in meiner Schatulle, der Schlüssel daneben, und wenn Sie eine
Art von Herz und Gemüt haben, so denken Sie, wie mir zumute ist, wie viele
Leidenschaften sich in mir herumkämpfen, wie ich Sie herwünsche, auch wohl Felix
dazu, dass es ein Ende werde, wenigstens dass eine Deutung vorgehe, was damit
gemeint sei, mit diesem wunderbaren Finden, Wiederfinden, Trennen und
Vereinigen; und sollte ich auch nicht aus aller Verlegenheit gerettet werden, so
wünsche ich wenigstens sehnlichst, dass diese sich aufkläre, sich endige, wenn
mir auch, wie ich fürchte, etwas Schlimmeres begegnen sollte.
 
                                 Achtes Kapitel
Unter den Papieren, die uns zur Redaktion vorliegen, finden wir einen Schwank,
den wir ohne weitere Vorbereitung hier einschalten, weil unsre Angelegenheiten
immer ernsthafter werden und wir für dergleichen Unregelmässigkeiten fernerhin
keine Stelle finden möchten.
    Im ganzen möchte diese Erzählung dem Leser nicht unangenehm sein, wie sie
St. Christoph am heitern Abend einem Kreise versammelter lustiger Gesellen
vortrug.
                             Die gefährliche Wette
Es ist bekannt, dass die Menschen, sobald es ihnen einigermaßen wohl und nach
ihrem Sinne geht, alsobald nicht wissen, was sie vor Übermut anfangen sollen;
und so hatten denn auch mutwillige Studenten die Gewohnheit, während der Ferien
scharenweis das Land zu durchziehen und nach ihrer Art Suiten zu reißen, welche
freilich nicht immer die besten Folgen hatten. Sie waren gar verschiedener Art,
wie sie das Burschenleben zusammenführt und bindet. Ungleich von Geburt und
Wohlhabenheit, Geist und Bildung, aber alle gesellig in einem heitern Sinne
miteinander einander sich fortbewegend und treibend. Mich aber wählten sie oft
zum Gesellen: denn wenn ich schwerere Lasten trug als einer von ihnen, so mussten
sie mir denn auch den Ehrentitel eines großen Suitiers erteilen, und zwar
hauptsächlich deshalb, weil ich seltener, aber desto kräftiger meine Possen
trieb, wovon denn folgendes ein Zeugnis geben mag.
    Wir hatten auf unseren Wanderungen ein angenehmes Bergdorf erreicht
