 genährt wurde, die man auf dem Lande fühlt, wenn man bei
größeren Bauten, besonders aber bei kleinen Veränderungen, Anlagen und Grillen
ein Handwerk ums andere entbehren muss und lieber ungeschickt und pfuscherhaft
eingreift, als dass man sich meistermässig verspäten ließe. Zum Glück wanderte in
unserer Gegend ein Tausendkünstler auf und ab, der, weil er bei mir seine
Rechnung fand, mich lieber als irgendeinen Nachbar unterstützte; er richtete mir
eine Drechselbank ein, deren er sich bei jedem Besuch mehr zu seinem Zwecke als
zu meinem Unterricht zu bedienen wusste. So auch schaffte ich Tischlerwerkzeug
an, und meine Neigung zu dergleichen ward erhöht und belebt durch die damals
laut ausgesprochene Überzeugung: es könne niemand sich ins Leben wagen, als wenn
er es im Notfall durch Handwerkstätigkeit zu fristen verstehe. Mein Eifer ward
von den Erziehern nach ihren eigenen Grundsätzen gebilligt; ich erinnere mich
kaum, dass ich je gespielt habe, denn alle freien Stunden wurden verwendet, etwas
zu wirken und zu schaffen. Ja ich darf mich rühmen, schon als Knabe einen
geschickten Schmied durch meine Anforderungen zum Schlösser, Feilenhauer und
Uhrmacher gesteigert zu haben.
    Das alles zu leisten mussten denn freilich auch erst die Werkzeuge erschaffen
werden, und wir litten nicht wenig an der Krankheit jener Techniker, welche
Mittel und Zweck verwechseln, lieber Zeit auf Vorbereitungen und Anlagen
verwenden, als dass sie sich recht ernstlich an die Ausführung hielten. Wo wir
uns jedoch praktisch tätig erweisen konnten, war bei Auszierung der Parkanlagen,
deren kein Gutsbesitzer mehr entbehren durfte; manche Moos- und Rindenhütte,
Knittelbrücken und Bänke zeugten von unserer Emsigkeit, womit wir eine
Urbaukunst in ihrer ganzen Roheit mitten in der gebildeten Welt darzustellen
eifrig bemüht gewesen.
    Dieser Trieb führte mich bei zunehmenden Jahren auf ernstere Teilnahme an
allem, was der Welt so nütze und in ihrer gegenwärtigen Lage so unentbehrlich
ist, und gab meinen mehrjährigen Reisen ein eigentlichstes Interesse.
    Da jedoch der Mensch gewöhnlich auf dem Wege, der ihn herangebracht,
fortzuwandern pflegt, so war ich dem Maschinenwesen weniger günstig als der
unmittelbaren Handarbeit, wo wir Kraft und Gefühl in Verbindung ausüben;
deswegen ich mich auch besonders in solchen abgeschlossenen Kreisen gern
aufhielt, wo nach Umständen diese oder jene Arbeit zu Hause war. Dergleichen
gibt jeder Vereinigung eine besondere Eigentümlichkeit, jeder Familie, einer
kleinen, aus mehreren Familien bestehenden Völkerschaft den entschiedensten
Charakter; man lebt in dem reinsten Gefühl eines lebendigen Ganzen.
    dabei hatte ich mir angewöhnt, alles aufzuzeichnen, es mit Figuren
auszustatten und so, nicht ohne Aussicht auf künftige Anwendung, meine Zeit
löblich und erfreulich zuzubringen.
    Diese Neigung, diese ausgebildete Gabe benutzt' ich nun aufs beste bei dem
wichtigen Auftrag, den mir die Gesellschaft gab, den Zustand der Gebirgsbewohner
zu untersuchen und die brauchbaren
