
Sie zu, dass der größte Teil von Ärzten und Wundärzten nur einen allgemeinen
Eindruck des zergliederten menschlichen Körpers in Gedanken behält und damit
auszukommen glaubt, so werden gewiss solche Modelle hinreichen, die in seinem
Geiste nach und nach erlöschenden Bilder wieder anzufrischen und ihm gerade das
Nötige lebendig zu erhalten. Ja es kommt auf Neigung und Liebhaberei an, so
werden sich die zartesten Resultate der Zergliederungskunst nachbilden lassen.
Leistet dies ja schon Zeichenfeder, Pinsel und Grabstichel.«
    Hier öffnete er ein Seitenschränkchen und ließ die Gesichtsnerven auf die
wundersamste Weise nachgebildet erblicken. »Dies ist leider«, sprach er, »das
letzte Kunststück eines abgeschiedenen jungen Gehülfen, der mir die beste
Hoffnung gab, meine Gedanken durchzuführen und meine Wünsche nützlich
auszubreiten.«
    Über die Einwirkung dieser Behandlungsweise nach manchen Seiten hin wurde
gar viel zwischen beiden gesprochen, auch war das Verhältnis zur bildenden Kunst
ein Gegenstand merkwürdiger Unterhaltung. Ein auffallendes, schönes Beispiel,
wie auf diese Weise vorwärts und rückwärts zu arbeiten sei, ergab sich aus
diesen Mitteilungen. Der Meister hatte einen schönen Sturz eines antiken
Jünglings in eine bildsame Masse abgegossen und suchte nun mit Einsicht die
ideelle Gestalt von der Epiderm zu entblössen und das schöne Lebendige in ein
reales Muskelpräparat zu verwandeln. »Auch hier finden sich Mittel und Zweck so
nahe beisammen, und ich will gern gestehen, dass ich über den Mitteln den Zweck
vernachlässigt habe, doch nicht ganz mit eigener Schuld; der Mensch ohne Hülle
ist eigentlich der Mensch, der Bildhauer steht unmittelbar an der Seite der
Elohim, als sie den unförmlichen, widerwärtigen Ton zu dem herrlichsten Gebilde
umzuschaffen wussten; solche göttliche Gedanken muss er hegen, dem Reinen ist
alles rein, warum nicht die unmittelbare Absicht Gottes in der Natur? Aber vom
Jahrhundert kann man dies nicht verlangen, ohne Feigenblätter und Tierfelle
kommt es nicht aus, und das ist noch viel zu wenig. Kaum hatte ich etwas
gelernt, so verlangten sie von mir würdige Männer in Schlafröcken und weiten
Ärmeln und zahllosen Falten; da wendete ich mich rückwärts, und da ich das, was
ich verstand, nicht einmal zum Ausdruck des Schönen anwenden durfte, so wählte
ich, nützlich zu sein, und auch dies ist von Bedeutung. Wird mein Wunsch
erfüllt, wird es als brauchbar anerkannt, dass, wie in so viel andern Dingen,
Nachbildung und das Nachgebildete der Einbildungskraft und dem Gedächtnis zu
Hilfe kommen, da, wo den Menschengeist eine gewisse Frische verlässt, so wird
gewiss mancher bildende Künstler sich, wie ich es getan, herumwenden und lieber
euch in die Hand arbeiten, als dass er gegen Überzeugung und Gefühl ein
widerwärtiges Handwerk treibe.«
    Hieran schloss sich die Betrachtung, dass es eben schön sei zu bemerken, wie
Kunst und Technik sich
