 zuletzt
von Weltteil zu Weltteil, alles veloziferisch.
So wenig nun die Dampfmaschinen zu dämpfen sind, so wenig ist dies auch im
Sittlichen möglich; die Lebhaftigkeit des Handels, das Durchrauschen des
Papiergelds, das Anschwellen der Schulden, um Schulden zu bezahlen, das alles
sind die ungeheueren Elemente, auf die gegenwärtig ein junger Mann gesetzt ist.
Wohl ihm, wenn er von der Natur mit mässigem, ruhigem Sinn begabt ist, um weder
unverhältnismässige Forderungen an die Welt zu machen noch auch von ihr sich
bestimmen zu lassen.
Aber in einem jeden Kreise bedroht ihn der Tagesgeist; und nichts ist nötiger,
als früh genug ihm die Richtung bemerklich zu machen, wohin sein Wille zu
steuern hat.
Die Bedeutsamkeit der unschuldigsten Reden und Handlungen wächst mit den Jahren;
und wen ich länger um mich sehe, den suche ich immerfort aufmerksam zu machen,
welch ein Unterschied stattfinde zwischen Aufrichtigkeit, Vertrauen und
Indiskretion, ja dass eigentlich kein Unterschied sei, vielmehr nur ein leiser
Übergang vom Unverfänglichsten zum Schädlichsten, welcher bemerkt oder vielmehr
empfunden werden müsse.
Hierauf haben wir unsern Takt zu üben, sonst laufen wir Gefahr, auf dem Wege,
worauf wir uns die Gunst der Menschen erwarben, sie ganz unversehens wieder zu
verscherzen. Das begreift man wohl im Laufe des Lebens von selbst, aber erst
nach bezahltem teurem Lehrgelde, das man leider seinen Nachkommenden nicht
ersparen kann.
Das Verhältnis der Künste und Wissenschaften zum Leben ist nach Verhältnis der
Stufen, worauf sie stehen, nach Beschaffenheit der Zeiten und tausend andern
Zufälligkeiten sehr verschieden; deswegen auch niemand darüber im ganzen leicht
klug werden kann.
Poesie wirkt am meisten im Anfang der Zustände, sie seien nun ganz roh,
halbkultiviert, oder bei Abänderung einer Kultur, beim Gewahrwerden einer
fremden Kultur, dass man also sagen kann, die Wirkung der Neuheit findet durchaus
statt.
Musik im besten Sinne bedarf weniger der Neuheit, ja vielmehr je älter sie ist,
je gewohnter man sie ist, desto mehr wirkt sie.
Die Würde der Kunst erscheint bei der Musik vielleicht am eminentesten, weil sie
keinen Stoff hat, der abgerechnet werden müsste. Sie ist ganz Form und Gehalt und
erhöht und veredelt alles, was sie ausdrückt.
Die Musik ist heilig oder profan. Das Heilige ist ihrer Würde ganz gemäß, und
hier hat sie die größte Wirkung aufs Leben, welche sich durch alle Zeiten und
Epochen gleich bleibt. Die profane sollte durchaus heiter sein.
Eine Musik, die den heiligen und profanen Charakter vermischt, ist gottlos, und
eine halbschürige, welche schwache, jammervolle, erbärmliche Empfindungen
auszudrücken Belieben findet, ist abgeschmackt. Denn sie ist nicht ernst genug,
um heilig zu sein, und es fehlt ihr der Hauptcharakter des Entgegengesetzten:
die Heiterkeit.
