 ich nahm mir vor, es zu
lernen, doch jede Stunde löschte den Vorsatz aus.
    »So ergreif ihn jetzt«, versetzte jener, »ich sehe dich schon so lange mit
Angelegenheiten beschäftigt, die des Menschen Geist, Gemüt, Herz, und wie man
das alles nennt, betreffen und sich darauf beziehen; allein was hast du dabei
für dich und andere gewonnen? Seelenleiden, in die wir durch Unglück oder eigne
Fehler geraten, sie zu heilen vermag der Verstand nichts, die Vernunft wenig,
die Zeit viel, entschlossene Tätigkeit hingegen alles. Hier wirke jeder mit und
auf sich selbst, das hast du an dir, hast es an andern erfahren.«
    Mit heftigen und bitteren Worten, wie er gewohnt ist, setzte er mir zu und
sagte manches Harte, das ich nicht wiederholen mag. Es sei nichts mehr der Mühe
wert, schloss er endlich, zu lernen und zu leisten, als dem Gesunden zu helfen,
wenn er durch irgendeinen Zufall verletzt sei: durch einsichtige Behandlung
stelle sich die Natur leicht wieder her; die Kranken müsse man den Ärzten
überlassen, niemand aber bedürfe eines Wundarztes mehr als der Gesunde. In der
Stille des Landlebens, im engsten Kreis der Familie sei er ebenso willkommen als
in und nach dem Getümmel der Schlacht; in den süßesten Augenblicken wie in den
bittersten und grässlichsten; überall walte das böse Geschick grimmiger als der
Tod, und ebenso rücksichtslos, ja noch auf eine schmählichere, Lust und Leben
verletzende Weise.
    Du kennst ihn und denkst ohne Anstrengung, dass er mich so wenig als die Welt
schonte. Am stärksten aber lehnte er sich auf das Argument, das er im Namen der
großen Gesellschaft gegen mich wendete. »Narrenpossen«, sagte er, »sind eure
allgemeine Bildung und alle Anstalten dazu. Dass ein Mensch etwas ganz
entschieden verstehe, vorzüglich leiste, wie nicht leicht ein anderer in der
nächsten Umgebung, darauf kommt es an, und besonders in unserm Verbande spricht
es sich von selbst aus. Du bist gerade in einem Alter, wo man sich mit Verstande
etwas vorsetzt, mit Einsicht das Vorliegende beurteilt, es von der rechten Seite
angreift, seine Fähigkeiten und Fertigkeiten auf den rechten Zweck hinlenkt.«
Was soll ich nun weiter fortfahren auszusprechen, was sich von selbst versteht!
Er machte mir deutlich, dass ich Dispensation von dem so wunderlich gebotenen
unstäten Leben erhalten könne; es werde jedoch schwer sein, es für mich zu
erlangen. »Du bist von der Menschenart«, sprach er, »die sich leicht an einen
Ort, nicht leicht an eine Bestimmung gewöhnen. Allen solchen wird die unstäte
Lebensart vorgeschrieben, damit sie vielleicht zu einer sichern Lebensweise
gelangen. Willst du dich ernstlich dem göttlichsten
