 auch vielleicht nicht zahlreiche Partie lächelte über
diese vergeblichen Bemühungen und beteuerte: gar manche Zustände dieser
Erdoberfläche würden nie zu erklären sein, wofern man nicht größere und kleinere
Gebirgsstrecken aus der Atmosphäre herunterfallen und weite, breite Landschaften
durch sie überdeckt werden lasse. Sie beriefen sich auf größere und kleinere
Felsmassen, welche zerstreut in vielen Landen umherliegend gefunden und sogar
noch in unsern Tagen als von oben herabstürzend aufgelesen werden.
    Zuletzt wollten zwei oder drei stille Gäste sogar einen Zeitraum grimmiger
Kälte zu Hilfe rufen und aus den höchsten Gebirgszügen auf weit ins Land
hingesenkten Gletschern gleichsam Rutschwege für schwere Ursteinmassen bereitet
und diese auf glatter Bahn fern und ferner hinausgeschoben im Geiste sehen. Sie
sollten sich, bei eintretender Epoche des Auftauens, niedersenken und für ewig
in fremdem Boden liegenbleiben. Auch sollte sodann durch schwimmendes Treibeis
der Transport ungeheurer Felsblöcke von Norden her möglich werden. Diese guten
Leute konnten jedoch mit ihrer etwas kühlen Betrachtung nicht durchdringen. Man
hielt es ungleich naturgemässer, die Erschaffung einer Welt mit kolossalem
Krachen und Heben, mit wildem Toben und feurigem Schleudern vorgehen zu lassen.
Da nun übrigens die Glut des Weines stark mit einwirkte, so hätte das herrliche
Fest beinahe mit tödlichen Händeln abgeschlossen.
    Ganz verwirrt und verdüstert ward es unserm Freund zumute, welcher noch von
alters her den Geist, der über den Wassern schwebte, und die hohe Flut, welche
fünfzehn Ellen über die höchsten Gebirge gestanden, im stillen Sinne hegte und
dem unter diesen seltsamen Reden die so wohl geordnete, bewachsene, belebte Welt
vor seiner Einbildungskraft chaotisch zusammenzustürzen schien.
    Den andern Morgen unterließ er nicht, den ernsten Montan hierüber zu
befragen, indem er ausrief: »Gestern konnt' ich dich nicht begreifen, denn unter
allen den wunderlichen Dingen und Reden hofft' ich endlich deine Meinung und
deine Entscheidung zu hören, an dessen Statt warst du bald auf dieser, bald auf
jener Seite und suchtest immer die Meinung desjenigen, der da sprach, zu
verstärken. Nun aber sage mir ernstlich, was du darüber denkst, was du davon
weißt.« Hierauf erwiderte Montan: »Ich weiß so viel wie sie und möchte darüber
gar nicht denken.« - »Hier aber«, versetzte Wilhelm, »sind so viele
widersprechende Meinungen, und man sagt ja, die Wahrheit liege in der Mitte.« -
»Keineswegs!« erwiderte Montan: »in der Mitte bleibt das Problem liegen,
unerforschlich vielleicht, vielleicht auch zugänglich, wenn man es danach
anfängt.«
    Nachdem nun auf diese Weise noch einiges hin und wider gesprochen worden,
fuhr Montan vertraulich fort: »Du tadelst mich, dass ich einem jeden in seiner
Meinung nachhalf, wie sich denn für alles noch immer ein ferneres Argument
auffinden lässt; ich vermehrte die Verwirrung dadurch
