
    Man erinnerte an die Notwendigkeit sicherer Grundsätze in andern Künsten.
»Würde der Musiker einem Schüler vergönnen, wild auf den Saiten herumzugreifen
oder sich gar Intervalle nach eigener Lust und Belieben zu erfinden? Hier wird
auffallend, dass nichts der Willkür des Lernenden zu überlassen sei; das Element,
worin er wirken soll, ist entschieden gegeben, das Werkzeug, das er zu handhaben
hat, ist ihm eingehändigt, sogar die Art und Weise, wie er sich dessen bedienen
soll, ich meine den Fingerwechsel, findet er vorgeschrieben, damit ein Glied dem
andern aus dem Wege gehe und seinem Nachfolger den rechten Weg bereite; durch
welches gesetzliche Zusammenwirken denn zuletzt allein das Unmögliche möglich
wird.
    Was uns aber zu strengen Forderungen, zu entschiedenen Gesetzen am meisten
berechtigt, ist: dass gerade das Genie, das angeborene Talent sie am ersten
begreift, ihnen den willigsten Gehorsam leistet. Nur das Halbvermögen wünschte
gern seine beschränkte Besonderheit an die Stelle des unbedingten Ganzen zu
setzen und seine falschen Griffe, unter Vorwand einer unbezwinglichen
Originalität und Selbstständigkeit, zu beschönigen. Das lassen wir aber nicht
gelten, sondern hüten unsere Schüler vor allen Misstritten, wodurch ein großer
Teil des Lebens, ja manchmal das ganze Leben verwirrt und zerpflückt wird.
    Mit dem Genie haben wir am liebsten zu tun, denn dieses wird eben von dem
guten Geiste beseelt, bald zu erkennen, was ihm nutz ist. Es begreift, dass Kunst
eben darum Kunst heiße, weil sie nicht Natur ist. Es bequemt sich zum Respekt,
sogar vor dem, was man konventionell nennen könnte: denn was ist dieses anders,
als dass die vorzüglichsten Menschen übereinkamen, das Notwendige, das
Unerlässliche für das Beste zu halten; und gereicht es nicht überall zum Glück?
    Zur großen Erleichterung für die Lehrer sind auch hier, wie überall bei uns,
die drei Ehrfurchten und ihre Zeichen mit einiger Abänderung, der Natur des
obwaltenden Geschäfts gemäß, eingeführt und eingeprägt.«
    Den ferner umhergeleiteten Wanderer musste nunmehr in Verwunderung setzen,
dass die Stadt sich immer zu erweitern, Straße aus Straße sich zu entwickeln
schien, mannigfaltige Ansichten gewährend. Das Äußere der Gebäude sprach ihre
Bestimmung unzweideutig aus, sie waren würdig und stattlich, weniger prächtig
als schön. Den edleren und ernsteren in Mitte der Stadt schlossen sich die
heitern gefällig an, bis zuletzt zierliche Vorstädte anmutigen Stils gegen das
Feld sich hinzogen und endlich als Gartenwohnungen zerstreuten.
    Der Wanderer konnte nicht unterlassen, hier zu bemerken, dass die Wohnungen
der Musiker in der vorigen Region keineswegs an Schönheit und Raum den
gegenwärtigen zu vergleichen seien, welche Maler, Bildhauer und Baumeister
bewohnen. Man erwiderte ihm, dies liege in der Natur der Sache. Der Musikus
müsse immer in sich selbst gekehrt sein, sein Innerstes
