 ihn frühes Aufstehn des Majors, tägliches Ausreiten und
Umhergehen desselben sowie der Zutritt mancher Beschäftigten, auch bei der
Gegenwart des Obermarschalls mehrerer Geschäftslosen zu nötigen schien. Mit
allen Kleinigkeiten, die nur die Sorgfalt eines Mimen zu beschäftigen das Recht
hatten, ließ er den Major schon einige Zeit verschont, aber desto strenger hielt
er auf einige Hauptpunkte, welche bisher durch ein geringeres Hokuspokus waren
verschleiert gewesen. Alles, was nicht nur den Schein der Gesundheit bezwecken,
sondern was die Gesundheit selbst aufrechterhalten sollte, ward eingeschärft,
besonders aber Maß in allem und Abwechselung nach den Vorkommenheiten, Sorgfalt
sodann für Haut und Haare, für Augenbraunen und Zähne, für Hände und Nägel, für
deren zierlichste Form und schicklichste Länge der Wissende schon länger gesorgt
hatte. dabei wurde Mäßigung aber- und abermals in allem, was den Menschen aus
seinem Gleichgewicht zu bringen pflegt, dringend anempfohlen, worauf denn dieser
Schönheits-Erhaltungs-Lehrer sich seinen Abschied erbat, weil er seinem Herrn
nichts mehr nütze sei. Indes konnte man denken, dass er sich doch wohl wieder zu
seinem vorigen Patron zurückwünschen mochte, um den mannigfaltigen Vergnügungen
eines theatralischen Lebens fernerhin sich ergeben zu können.
    Und wirklich tat es dem Major sehr wohl, wieder sich selbst gegeben zu sein.
Der verständige Mann braucht sich nur zu mäßigen, so ist er auch glücklich. Er
mochte sich der herkömmlichen Bewegung des Reitens, der Jagd und was sich daran
knüpft, wieder mit Freiheit bedienen, die Gestalt Hilariens trat in solchen
einsamen Momenten wieder freudig hervor, und er fügte sich in den Zustand des
Bräutigams, vielleicht den anmutigsten, der uns in dem gesitteten Kreise des
Lebens gegönnt ist.
    Schon einige Monate waren die sämtlichen Familienglieder ohne besondere
Nachricht voneinander geblieben; der Major beschäftigte sich, in der Residenz
gewisse Einwilligungen und Bestätigungen seines Geschäfts abschliesslich zu
negoziieren; die Baronin und Hilarie richteten ihre Tätigkeit auf die heiterste,
reichlichste Ausstattung; der Sohn, seiner Schönen mit Leidenschaft
dienstpflichtig, schien hierüber alles zu vergessen. Der Winter war angekommen
und umgab alle ländlichen Wohnungen mit unerfreulichen Sturmregen und
frühzeitigen Finsternissen.
    Wer heute durch eine düstere Novembernacht sich in der Gegend des adeligen
Schlosses verirrt hätte und bei dem schwachen Lichte eines bedeckten Mondes
Äcker, Wiesen, Baumgruppen, Hügel und Gebüsche düster vor sich liegen sähe, auf
einmal aber bei einer schnellen Wendung um eine Ecke die ganz erleuchtete
Fensterreihe eines langen Gebäudes vor sich erblickte, er hätte gewiss geglaubt,
eine festlich geschmückte Gesellschaft dort anzutreffen. Wie sehr verwundert
müsste er aber sein, von wenigen Bedienten erleuchtete Treppen hinaufgeführt, nur
drei Frauenzimmer, die Baronin, Hilarien und das Kammermädchen, in hellen
Zimmern zwischen klaren Wänden, neben freundlichem Hausrat, durchaus erwärmt und
behaglich, zu erblicken.
    Da wir nun aber
