; wir schieben etwas Neues, etwas Reizendes
herein, durch helle Farben und kurzen, knappen Schnitt locken wir die Muntern,
durch ernste Schattierungen, bequeme, faltenreiche Tracht die Besonnenen und
stellen so nach und nach ein Gleichgewicht her.
    Denn der Uniform sind wir durchaus abgeneigt, sie verdeckt den Charakter und
entzieht die Eigenheiten der Kinder, mehr als jede andere Verstellung, dem
Blicke der Vorgesetzten.«
    Unter solchen und andern Gesprächen gelangte Wilhelm an die Grenze der
Provinz, und zwar an den Punkt, wo sie der Wanderer, nach des alten Freundes
Andeutung, verlassen sollte, um seinem eigentlichen Zweck entgegenzugehen.
    Beim Lebewohl bemerkte zunächst der Aufseher: Wilhelm möge nun erwarten, bis
das große Fest allen Teilnehmern auf mancherlei Weise angekündigt werde. Hierzu
würden die sämtlichen Eltern eingeladen und tüchtige Zöglinge ins freie,
zufällige Leben entlassen. Alsdann solle er, hieß es, auch die übrigen
Landschaften nach Belieben betreten, wo, nach eigenen Grundsätzen, der einzelne
Unterricht in vollständiger Umgebung erteilt und ausgeübt wird.
 
                                Drittes Kapitel
Der Angewöhnung des werten Publikums zu schmeicheln, welches seit geraumer Zeit
Gefallen findet, sich stückweise unterhalten zu lassen, gedachten wir erst,
nachstehende Erzählung in mehreren Abteilungen vorzulegen. Der innere
Zusammenhang jedoch, nach Gesinnungen, Empfindungen und Ereignissen betrachtet,
veranlasste einen fortlaufenden Vortrag. Möge derselbe seinen Zweck erreichen und
zugleich am Ende deutlich werden, wie die Personen dieser abgesondert
scheinenden Begebenheit mit denjenigen, die wir schon kennen und lieben, aufs
innigste zusammengeflochten worden.
                          Der Mann von funfzig Jahren
Der Major war in den Gutshof hereingeritten, und Hilarie, seine Nichte, stand
schon, um ihn zu empfangen, außen auf der Treppe, die zum Schloss hinaufführte.
Kaum erkannte er sie; denn schon war sie wieder größer und schöner geworden. Sie
flog ihm entgegen, er drückte sie an seine Brust mit dem Sinn eines Vaters, und
sie eilten hinauf zu ihrer Mutter.
    Der Baronin, seiner Schwester, war er gleichfalls willkommen, und als
Hilarie schnell hinwegging, das Frühstück zu bereiten, sagte der Major freudig:
»Diesmal kann ich mich kurz fassen und sagen, dass unser Geschäft beendigt ist.
Unser Bruder, der Obermarschall, sieht wohl ein, dass er weder mit Pächtern noch
Verwaltern zurechtkommt. Er tritt bei seinen Lebzeiten die Güter uns und unsern
Kindern ab; das Jahrgehalt, das er sich ausbedingt, ist freilich stark; aber wir
können es ihm immer geben: wir gewinnen doch noch für die Gegenwart viel und für
die Zukunft alles. Die neue Einrichtung soll bald in Ordnung sein. Da ich
zunächst meinen Abschied erwarte, so sehe ich doch wieder ein tätiges Leben vor
mir, das uns und den Unsrigen einen entschiedenen Vorteil bringen kann. Wir
sehen ruhig zu,
