, nicht so mannigfaltig; aber desto einladender, den tiefen,
stillen Sinn derselben zu erforschen. Auch kehrten die beiden Wandelnden am Ende
des Ganges um, indem Wilhelm eine Bedenklichkeit äußerte, dass man hier
eigentlich nur bis zum Abendmahle, bis zum Scheiden des Meisters von seinen
Jüngern gelangt sei. Er fragte nach dem übrigen Teil der Geschichte.
    »Wir sondern«, versetzte der Älteste, »bei jedem Unterricht, bei aller
Überlieferung sehr gerne, was nur möglich zu sondern ist; denn dadurch allein
kann der Begriff des Bedeutenden bei der Jugend entspringen. Das Leben mengt und
mischt ohnehin alles durcheinander, und so haben wir auch hier das Leben jenes
vortrefflichen Mannes ganz von dem Ende desselben abgesondert. Im Leben
erscheint er als ein wahrer Philosoph - stosset Euch nicht an diesen Ausdruck -,
als ein Weiser im höchsten Sinne. Er steht auf seinem Punkte fest; er wandelt
seine Straße unverrückt, und indem er das Niedere zu sich heraufzieht, indem er
die Unwissenden, die Armen, die Kranken seiner Weisheit, seines Reichtums,
seiner Kraft teilhaftig werden lässt und sich deshalb ihnen gleichzustellen
scheint, so verleugnet er nicht von der andern Seite seinen göttlichen Ursprung;
er wagt, sich Gott gleichzustellen, ja sich für Gott zu erklären. Auf diese
Weise setzt er von Jugend auf seine Umgebung in Erstaunen, gewinnt einen Teil
derselben für sich, regt den andern gegen sich auf und zeigt allen, denen es um
eine gewisse Höhe im Lehren und Leben zu tun ist, was sie von der Welt zu
erwarten haben. Und so ist sein Wandel für den edlen Teil der Menschheit noch
belehrender und fruchtbarer als sein Tod: denn zu jenen Prüfungen ist jeder, zu
diesem sind nur wenige berufen; und damit wir alles übergehen, was aus dieser
Betrachtung folgt, so betrachtet die rührende Szene des Abendmahls. Hier lässt
der Weise, wie immer, die Seinigen ganz eigentlich verwaist zurück, und indem er
für die Guten besorgt ist, füttert er zugleich mit ihnen einen Verräter, der ihn
und die Bessern zugrunde richten wird.«
    Mit diesen Worten eröffnete der Älteste eine Pforte, und Wilhelm stutzte,
als er sich wieder in der ersteren Halle des Eingangs fand. Sie hatten, wie er
wohl merkte, indessen den ganzen Umkreis des Hofes zurückgelegt. »Ich hoffte«,
sagte Wilhelm, »Ihr würdet mich ans Ende führen, und bringt mich wieder zum
Anfang.« - »Für diesmal kann ich Euch weiter nichts zeigen«, sagte der Älteste;
»mehr lassen wir unsere Zöglinge nicht sehen, mehr erklären wir ihnen nicht, als
was Ihr bis jetzt durchlaufen habt; das äußere allgemein Weltliche einem jeden
von Jugend auf, das innere besonders Geistige und Herzliche nur
