 entsprungenen Unglücksfälle die Gemüter
mehr als gewöhnlich spannen. Nur unter diesem ruhigen Volke konnte die Freiheit
ihren Sitz aufschlagen, ohne dass ihr Weg mit Blut bezeichnet wurde. Mir ist, als
ob ich hier ausruhte von all dem Weh, welches mein armes Herz in den letzten
Jahren unaufhörlich bestürmt hat, als ob ich nach langer Pilgerschaft Quarantäne
hielte. Diese ist freilich nicht sehr ergetzlich, aber sie sichert die
Gesundheit, und deshalb sei sie meinem Geiste willkommen. Zwar schüttelt er oft
ungeduldig die Schwingen und will mich hinziehen und -tragen zu jener erhabenen
Bundesstadt, wo sich das neue Kapitolium baut, zu Schutz und Hut der köstlichen
Freiheit. Aber ach! die Goten aus Albion haben Frevlerhände an die entstehenden
Heiligtümer gelegt und weilen noch immer in der Nähe. Tief wird dies hier
empfunden, doch hofft man, bald den Frieden hergestellt zu sehen und die
empfangenen Wunden zu heilen. Wie aber auch Europa sich dagegen sträuben mag,
die Neue Welt wird, in kurzem, zur riesenstarken Manneskraft gelangen, und wehe
Europa, wenn sie jemals den Gedanken fasst, die Beleidigungen zu rächen, welche
ihre Kindheit erfuhr. Nicht der Norden allein ist frei, auch im Süden schüttelt
man die überseeischen Ketten ab. Wenige Jahre noch, und das Panier der Freiheit
weht von der Hudsonsbai bis zur Magellanischen Meerenge, und unter seinem
Schatten blühen Wissenschaften und Künste, aus allen übrigen Weltgegenden dahin
verpflanzt.
Das neue Jahr ist hier mit viel schönen Hoffnungen und tausend guten Wünschen
begonnen worden. Ich hatte am ersten Tage desselben eine lange Unterredung mit
William, welche unsern unsicheren Standpunkt gegeneinander wieder einigermaßen
festgestellt hat. Er schickte mir am Morgen, nach der Sitte meines Vaterlandes,
einen großen Korb voll der auserlesensten Treibhausfrüchte und Blumen; ich hatte
ihm dagegen, sowie der übrigen Familie, einige künstliche Arbeiten verfertigt,
welche hier noch neu waren und viel Bewunderung erregten. Sehr natürlich hatte
er das Vorzüglichste erhalten. Er kam, mir mit vieler Freude zu danken. »Es ist
für meine Verbindlichkeit und für meinen guten Willen sehr wenig«, sagte ich
ablehnend, »ich wollte, ich könnte mehr für Sie tun.« - »Sie können nicht?«
fragte er. »Ach, Sie könnten unendlich viel gewähren, wenn ich nur wünschen
dürfte.« - »Hören Sie, William«, sagte ich, »Sie haben sich mir zum Bruder
erboten, so lassen Sie uns auch geschwisterliches Vertrauen bewahren.« -
»Geschwisterliches?« sagte er kleinlaut. »Ja«, fuhr ich fort, »als Schwester
will ich jetzt mit Ihnen reden. Alles, was ich habe und besitze, habe ich durch
Sie gerettet, und ich lege nur insofern einigen Wert darauf; sonst weiß
