 »Wäre
unser Washington dort untergegangen!« - »Schön«, rief Philippine lachend, »dann
könnten wir uns heute nicht der lieblichen Winterlandschaft erfreuen.« - »Doch«,
sagte er nach seiner lakonischen Weise, »Virginia ist leicht, ich schwimme gut.«
Wir ließ das Gespräch fallen. Guter William! dass Virginia mehr gerettet als
das nackte Leben, das scheint dir ein Hindernis deiner Wünsche? Oh, wäre nichts
als das, zartsinniger Mann, ich würde es freudig in den Fluss werfen und mich in
deinen Arm.
    Aber es türmt sich eine andere Scheidewand zwischen uns auf, welche du nicht
siehst, nicht ahndest, die ich selber hinwegschieben möchte, die aber nur
stärker wird, sooft ich Hand daran legen will. Sieh, William ist so lieb und
gut, ich achte ihn hoch, ich habe ihn so gern, ich kann mir stundenlang denken,
wie glücklich eine Gattin mit ihm leben wird; aber wenn mir dann einfällt, dass
ich diese Gattin sein könnte, dann versinkt plötzlich, wie durch einen
Zauberschlag, das ganze Gemälde, und Mucius' Bild erscheint auf derselben Stelle
und droht mir mit wehmütigem Lächeln. Ja, Mucius, ich bin dein! du hast recht!
»Für die Ewigkeit!«, so sprachen wir. Guter William, ich kann nimmer die Deine
sein. Wenn ich meine ersten Schwüre bräche, welche Bürgschaft hättest du für die
zweiten?
    Das Leben hier sagt mir recht wohl zu, nur für die Länge mag es in der Stadt
ein wenig langweilig werden. Die Gesellschaft der Freunde, woraus der größere
Teil der Einwohner besteht, sind sehr brave, rechtliche Menschen, nur etwas zu
pedantisch in ihren Sitten. Ich stimme den meisten ihrer Grundsätze und
Einrichtungen mit inniger Überzeugung bei, kann aber durchaus nicht begreifen,
warum der Geist der Fröhlichkeit damit unvereinbar sein sollte. Kann es dem
höchsten Wesen wohlgefällig sein, auf lauter ernste oder traurige Gesichter zu
blicken, und können Tanz und Spiel der wahren Tugend zuwider sein? Dass doch des
Menschen Wahn immer auf Übertreibungen fällt, er in seinem geistigen Stolze
nicht auf die Winke seiner Lehrerin, der Natur, achtet! Das höchste Glück,
welches ich hier finde, ist die völlige Freiheit der Meinungen. Niemals hört man
weder einen religiösen noch politischen Streit; ein jeder sagt ohne Rückhalt
sein Urteil und hört ruhig ein entgegengesetztes an. »Es ist möglich, dass du
recht hast«, sagt der eine, »mir scheint es jedoch so, aber ich kann irren«; der
andre äußert sich ebenso, und kein Tropfen Wermut fällt in den Becher der
Freundschaft. Diese Mäßigung ist um so bewundernswürdiger im gegenwärtigen
Augenblick, wo der Krieg und die daraus
