 Wahn, welchen wir einst widerlegen
werden. Warum besteht sie denn unter tatarischen Horden, bei einem geringen
Grade von Bildung? Und das Priestertum? Die Pennsylvanier haben keines und sind
so brav und gut, dass sie der Welt als Muster aufgestellt werden könnten. Von
ihnen haben wir entlehnt oder sind mit ihnen zusammengetroffen; nur ihr finstrer
Ernst findet bei uns keinen Eingang. Griechenlands kindlicher Frohsinn spielt um
unsren Tempel;
»... schöne lichte Bilder
schweben selbst um die Notwendigkeit,
und das ernste Schicksal blicket milder
durch den Schleier sanfter Menschlichkeit.«
Der zweite Grundsatz unserer Verfassung ist völlige Freiheit und Gleichheit der
vereinten Familien; nie soll darin ein Oberhaupt herrschen, und wäre ein solches
einst, zu besonderem Zwecke, notwendig, so wird es gewählt, und dann erlischt
seine Würde mit Erreichung des Zweckes. Alle Angelegenheiten werden durch
Stimmenmehrheit entschieden. Die Verwaltung der Geschäfte der Kolonie wird
verteilt, der Überfluss zu gemeinschaftlichen Zwecken verwendet. Am Genuss hat
jeder gleichen Anteil und gleiches Recht. Der Gebrauch des Geldes ist im
Umkreise des Staates untersagt, auch außer demselben hat niemand Eigentum, alles
ist Gemeingut. Kein Mitglied darf, vor dem vollendeten zwanzigsten Lebensjahre,
die Grenzen der Republik verlassen, die Kolonie aber nur bis zu einer bestimmten
Anzahl von Einwohnern wachsen; übersteigt sie diese, so bilden die älteren Söhne
eine neue in dem großem Umfange der Besitzungen. Es wird, zu diesem Endzweck,
jährlich eine Anzahl Morgen von uns urbar gemacht; schon jetzt haben wir mehr,
als wir bestellen mögen, und es wird manches Ackerstück in Ruhe gelegt. Die
Töchterkolonien führen eine eigene Ökonomie, sind aber im übrigen, durch gleiche
Grundsätze und gleiche Vorteile, auf das engste mit der Muttergesellschaft
verbunden; ihr etwaniger Überschuss fließt zur allgemeinen Kasse. Alle Menschen
außer den Grenzen unserer Republik werden als unsere Brüder betrachtet. Ihre
Lebensweise passt nicht zu der unsrigen, sie haben aber dieselben Rechte, über
die ihrige zu entscheiden als wir über die unsere, und kein Streit darf je
deshalb zwischen ihnen und uns entstehen. Man wird unsere harmlose Friedlichkeit
ehren, die Denkart der Nachbaren ist edel. Es ist kaum glaublich, dass unsre
Männer jemals gezwungen werden sollten, unsern rechtmäßig erworbenen Boden, mit
den Waffen in der Hand, zu verteidigen. Geschähe es aber, so würde der Sieg
gewiss auf unserer, auf der Seite des stengsten Rechtes sein, und Mut und
Geschicklichkeit unserer Männer würde ihn zu fesseln wissen. Wahrheit und
Gerechtigkeit sind die Hauptgrundsätze unserer einfachen Moral; ihre Ausübung
wird, durch unsere Lebensweise, unseren Kindern so notwendig sein als das
Atemholen. Wahrheit und Gerechtigkeit, diese einzig sicheren Stützen des
häuslichen und des gesellschaftlichen Glücks, können nur unter dem Schutze der
Freiheit vollkommen gedeihen!
