
Gottes, welchen der menschliche Verstand sich nicht klar darzustellen vermag;
sein Dienst ist die Erhebung des Herzens zu ihm, die Ergebung in seinen Willen,
Vertrauen, Dankbarkeit gegen ihn und das Streben, gut und menschlich zu handeln;
kein Götzendienst, kein Symbol soll die erhabene Idee des Einigen entweihen.
Seine Propheten und viele der Heiligen waren achtungswerte Menschen, deren
Andenken uns teuer bleiben wird. In ihnen lebte die reine Idee, mehr und minder
klar, sie strebten, sie dem Volke mitzuteilen, welches sie aber nur wenig
verstand und die reine Wahrheit bald wieder mit bunten Zieraten umhing; sogar
den Propheten, welcher sich ihm zeigte, oder dessen Bild höher hielt als den
Geist, den niemand darzustellen vermag, und so den göttlichen Menschen zum Gott
erhob.
    Der Tempel ist der Ort, wo jede feierliche Handlung stattfindet. Hierher
bringen wir am Frühlingsfeste die schönsten Blumen, am Erntefeste die vollsten
Ähren aller Art, umhängen damit Säulen und Altar und werfen davon, mit Weihrauch
vermischt, in die leuchtende Flamme. Am Herbstfeste brennen Oliven, Kastanien
und Datteln auf dem Altar, er wird mit Traubensaft besprengt, und am
Neujahrsfeste lodert höher die Flamme, von Zweigen aller Art und den
köstlichsten Herzen entzündet. Lobgesänge, zum Preise des Ewigen, werden in
Chören gesungen, und um den Altar kniend, steigt unser vereintes, heißes Gebet
zu dem Allgütigen auf. Diese Abschnitte der vier Jahreszeiten und das
Stiftungsfest sind die einzigen verordneten öffentlichen Feste. Außerdem steht
es bei jedem einzelnen, sooft er hierzu Beruf fühlt, den Ewigen anzurufen und zu
ihm zu beten. Für die Abteilung der Woche haben wir die Mosaische Einrichtung
beibehalten, nach sechs Arbeitstagen folgt ein Ruhetag. Sobald am Sonnabende die
letzten Strahlen des Lichts hinter den blauen Gebirgen verschwinden, verlässt
jeder sein Tagewerk und trägt sein Arbeitsgerät zu den Säulen des Tempels. Hier
lehnt der Pflüger seine Pflugschar und das Joch seiner Stiere an, der Schnitter
hängt hier seine Sichel auf, die Binderin ihren Rechen. Jeder kniet oder setzt
sich auf die Stufen nieder und dankt dem Ewigen für seinen Beistand im stillen
oder lauten Gebet, je nachdem er sich allein oder in Gesellschaft befindet. Der
Feiertag wird mit Unterhaltungen und Spielen hingebracht; kein Geschäft wird
vorgenommen, die Wartung des Viehs und die Beschickung des Herdes ausgenommen,
wobei wir alle gemeinschaftlich helfen. Am Montage holt jeder, in aller Frühe,
sein Gerät aus der Obhut des Tempels und fängt sein Wochenwerk mit dankbaren
Gedanken an Gottes Schutz und Führung an. Kein Priestertum soll je die lautere
Quelle unserer Überzeugung trüben. - Du schüttelst misstrauisch den Kopf, Adele!
Oh, ich weiß wohl, man glaubt, die Lehre des Deismus könne in einer größeren
Gesellschaft nicht Anwendung finden, ein
