, in
keine allzu ferne Zukunft hinaus.
                                      XXI
So sehr er, hier nicht aus Wohlwollen, sondern lediglich um seines Vorteils
willen, sich bemühte, Augusten nach und nach wieder mit sich zu versöhnen, um
sie für seine Wünsche zu gewinnen, da eine solche Fürsprecherin ihm die
erspriesslichsten Dienste zu leisten im Stande gewesen wäre, so wenig wollte es
ihm doch gelingen.
    Sie fuhr fort, ihn als einen Menschen zu behandeln, den sie ganz
durchschaut, und mit Recht ihr Zutrauen und ihre gute Meinung entzogen hatte. In
ihrem Liebling Erna fühlte sie sich damals so empfindlich beleidigt, dass sie ihm
weit eher die ihr selbst zugefügte Kränkungen verziehen haben würde, als den
Schmerz, dies fromme, reine, schuldlose Opferlamm seines Leichtsinns und seiner
Härte so hinwelken zu sehen, dass nur nach und nach Zeit, Vernunft, Religion und
die abwechselnden Zerstreuungen weiter Reisen ihr den Becher körperlicher
Genesung zu reichen vermochten.
    Nun ahnte sie freilich im menschlichen Gemüte jene tief verborgene
göttliche Kraft, welche fähig ist, den Gefallenen wieder aufzurichten, und den
Verirrten auf den rechten Weg zurück zu leiten; aber Erkenntnis, Reue und fester
Wille, und vor allem Wahrheit des Charakters, schienen ihr die unerlässlichen
Erfordernisse, durch die selbst der tief Gesunkene sich wieder zu erheben im
Stande sei. Hier aber, ihm gegenüber, der einst ein so grausames Spiel mit dem
edelsten Herzen getrieben, konnte sie bei aller Güte ihres selbst so reinen
Sinnes sich kein anderes Urteil abzwingen, als dass er auch jetzt nur auf dem
faulen Morast der Lüge das Gebäude seiner sinnlichen Wünsche zu erreichen
strebe, und jeder lichte Strahl, der als Zeuge einer geläuterten Gesinnung aus
seiner veredelten Seele blitzte, schien ihrem Unglauben an ihn ein täuschendes
Irrlicht, auf Sümpfen erzeugt, unfähig mit seinem falschen Schimmer das Leben
ihrer Erna zu verklären, sondern nur vom listigen Betrug ausgesandt, ihren
frommen Sinn von Neuem zu verlocken.
    Sie verhielt sich daher mit unbestechlicher Strenge immer in den
abgemessenen Formen kalter Höflichkeit gegen ihn, und versagte gern ihm auch
diese, wenn es zuweilen unbeobachtet geschehen konnte. Denn der Ruf seines
Leichtsinns und seiner Frivolität, den selbst die verbreiten halfen, die seine
vorzüglichen geselligen Eigenschaften an ihm schätzten und seinen Umgang
suchten, verglichen mit ihren früheren Erfahrungen, mit seinem eigenen
Geständnis, dass er Religion nur als ein Phantom betrachte, das Volk zu
schrecken, und dass der Schein ihm die Wirklichkeit jeder Tugend aufwiege, alles
dies bei der selbst erprobten Gabe, sich so täuschend zu verstellen, dass sie ihn
einst für einen sehr guten Menschen gehalten hatte, flößte ihr neben dem
unüberwindlichsten Mistrauen auch den entschiedensten Widerwillen gegen ihn ein.
    So gelang es ihm auch nicht, sich mit Linovsky zu befreunden, woran ihm
freilich
