. Denn
erst mein Grab wird friedlich wieder vereinen, was das Leben so feindselig
geschieden hat. Daher erhalte mir die ungestörte Stille, die ich bedarf, um mich
zu sammeln, und mein Gemüt würdig zu dem feierlichen Schritte vorzubereiten,
der mich aus dieser mangelhaften Welt in eine bessere führt.
    Sie verhüllte bei diesen Worten ihr Antlitz, als wollte sie ihren Augen
wehren, ihn länger anzuschauen. Noch einmal bebte der innige Druck ihrer Hand
durch sein ganzes Wesen - dann winkte sie ihm zu, sich zu entfernen, und dumpf,
in tonloser Betäubung, ohne sich dagegen aufzulehnen, oder irgend etwas zu
erwidern, folgte er gehorsam diesem stummen Befehle.
    Und als am andern Morgen Benedikt wie gewöhnlich hingegangen war, nach dem
Befinden der Kranken zu fragen, kam er wieder mit der Nachricht, die ihm Auguste
erteilt hatte: Ihr sei jetzt recht wohl, denn bereits um Mitternacht sei sie
verschieden.
    Er scheute sich, seinem Herrn diese Schreckensbotschaft zu bringen; aber zu
seiner Verwunderung nahm sie Alexander gefasst, ja sogar in stiller
Freundlichkeit des Gemüts auf, ohne scheinbar von ihr ergriffen zu werden.
    Denn mit jener stillen Zufriedenheit, mit welcher man den Piloten auf hohem
Meere in seinem leichten Kahn mit den Wellen kämpfen und dann in einen sichern
Hafen sich retten sähe, betrachtete er das letzte heilige Asyl, in das sie sich
geflüchtet hatte, und das nicht mehr düster ist, sobald der Mensch nur die
dunkle Schwelle erst überschritten hat, die dahin führt. Das Gefühl, aus welchem
sich ihm die höchste Wonne so wie der bitterste Schmerz entwickelt hatte,
erlosch nicht mit der irrdischen Flamme ihres Daseins - es glühte fort in seiner
Seele, und veredelte seinen Charakter immer mehr. Als bald darauf der Krieg
endlich ausbrach, kämpfte er tapfer mit für die Freiheit und Unabhängigkeit
seines Vaterlandes. Es war ihm wohl oft, als ob ein tiefes, lechzendes Sehnen
ihn in den wildesten Sturm der Gefahren trieb - als wenn eine leise Hoffnung ihm
zuflüsterte, dort, in blutiger Schlacht, werde sein Leben sich enden. Dann aber
vernahm er jedesmal Erna's liebkosende Stimme, die ihm gebot, den Tod nicht zu
suchen, und in stiller Ergebung sein Loos zu tragen. Seufzend unterwarf er sich
der höheren Bestimmung, die vermittelst ihrer Wünsche ihn zu leben zwang, und so
viel er des kriegerischen Lorbers auch brach, so war er doch stets nur mutig,
nicht tollkühn, und milde Menschlichkeit stand, durch die Erinnerung an Erna ihm
immer gegenwärtig, selbst im tobendsten Gefecht, an seiner Seite.
    Als der Friede ihn endlich in die Residenz zurückführte, hatte neben vielen
Bewohnern derselben, ein bösartiges Nervenfieber auch Linovsky hinweggerafft.
    Alexander, eingedenk der letzten Bitte, die Erna an
