 einer ewigen
Hoffnungslosigkeit mich rein erhielt, als winke Ihr Besitz mir als Lohn aus der
Ferne - das ists, worauf ich stolz bin, denn dies Bewusstsein löscht den Schatten
aus, den meine früheren Fehler auf die Vergangenheit werfen, und eben so wenig
wie der Himmel den zerknirschten Sünder zurückstösst, der reuig aus den
Labyrinten weltlicher Verführung zu einem edleren Wandel zurückkehrt, eben so
wenig fühl' ich mich jetzt mehr durch meinen moralischen Wert von den besten
Menschen auf Erden geschieden - folglich stehe ich auch Ihnen nahe, denn in
herber Entsagung und unerschütterlicher Willenskraft hab' ich die Stufen
erklimmt, die zu Ihrer Höhe hinauf führen.
    Und nun, zurückgekehrt in die Gegend, wo Sie atmen, doch ohne es zu ahnen -
durch Zufall - wenn es anders Zufälle gibt - in Ihr Haus versetzt, ohne es zu
wissen oder zu wollen, ist die ganze Kraft der Leidenschaft, die Sie mir
eingeflößt haben, wieder in mir emporgeflammt, so eifrig auch mein jahrelanges
Streben war, sie durch Vernunft, Zerstreuung und die abkühlende Erinnerung
gekränkten Stolzes und verschmähter Liebe zu ersticken. Sie wiedersehen und
alles von Neuem zu empfinden, was ich einst empfand, als ich an Ihren Besitz das
höchste Ziel meiner Wünsche knüpfte, war eins. Denn obgleich die Erfahrungen des
Lebens nach und nach den Charakter abschleifen, wie der immer kreisende
Umschwung von tausend und abermal tausend Wellen endlich den scharfen Kiesel
glatt spült, so macht ein Herz, das wahrhaft geliebt hat, doch eine Ausnahme von
dieser sonst so sicheren Regel, und der unheilbare Schmerz des meinigen
überzeugt mich, dass mein Gefühl für Sie ewig eben so glühend bleiben wird, als
die Hoffnungslosigkeit unüberwindlich ist, die uns scheidet.
    Diese Gewissheit in der tief verwundeten Brust, fragen Sie mich um den Zweck
dieser Zeilen? - Ach - weiß ich ihn selbst? Ich habe Sie beleidigt, als ich das
Schweigen brach, das Ehrfurcht für die Verhältnisse der Gattin und Mutter mir
hätte auferlegen sollen - ich habe mit der ganzen Bitterkeit der Erkenntnis
meines verlorenen Lebens die sanfte Milde zurückgewiesen, mit der Sie die
Gährung meines Innern zu besänftigen strebten, und mit aller Ungerechtigkeit
leidenschaftlicher Entrüstung die ganze Schuld meines Elends auf Ihr weiches
Gemüt gewälzt - - das ists, was ein innerer Drang mich abzubitten und abzubüssen
zwingt.
    Denn ich weiß es ja - Sie waren es nicht allein, die mein Urteil bestimmte,
sondern die, die es aussprach, hat unläugbar den größten Anteil an der
Entscheidung desselben, da sie den Einfluss misbrauchte, den Gewohnheit und die
verjährte Anhänglichkeit Ihres kindlichen Herzens ihr einräumen. Ich sehe ein,
Auguste ist Ihnen lieber als ich, und Sie mögen Recht haben, wenn Sie in ihr die
mütterliche Freundin ehren, die Ihre Kindheit
