
allen möglichen Vorschub erwartete! - Doch, je stärker der Druck, desto
gewaltiger die Kraft der Entlastung, je straffer der Bogen gespannt, desto
schärfer der Schuss! - War mir die Lektüre versperrt, so arbeitete desto freier
mein eigener Geist und schuf aus sich selbst.
    Unmutig, wie ich war, brachte ich in dieser Periode manche Nächte, manche
Tage in den Kellern des Hauses zu, wo mehrere Mäusefallen aufgestellt waren und
sich überdem viele Kater verschiedenen Alters und Standes versammelten.
    Einem tapfern philosophischen Kopf entgehen überall nicht die geheimsten
Beziehungen des Lebens im Leben, und er erkennt, wie sich eben aus denselben das
Leben gestaltet in Gesinnung und Tat. So gingen mir auch in den Kellern die
Verhältnisse der Mäusefallen und der Katzen in ihrer Wechselwirkung auf. Es
wurde mir, als einem Kater von edlem echten Sinn, warm ums Herz, wenn ich
gewahren musste, wie jene tote Maschinen in ihrem pünktlichen Treiben eine große
Schlaffheit in den Katerjünglingen hervorbrachten. Ich ergriff die Feder und
schrieb das unsterbliche Werk, dessen ich schon vorhin gedachte, nämlich: »Über
Mäusefallen und deren Einfluss auf Gesinnung und Tatkraft der Katzheit«. In
diesem Büchlein hielt ich den verweichlichten Katerjünglingen einen Spiegel vor
die Augen, in dem sie sich selbst erblicken mussten, aller eignen Kraft
entsagend, indolent, träge, ruhig es ertragend, dass die schnöden Mäuse nach dem
Speck liefen! - Ich rüttelte sie aus dem Schlafe mit donnernden Worten. - Nächst
dem Nutzen, den das Werklein schaffen musste, hatte das Schreiben desselben auch
noch den Vorteil für mich, dass ich selbst indessen keine Mäuse fangen durfte,
und auch nachher, da ich so kräftig gesprochen, es wohl keinem einfallen konnte,
von mir zu verlangen, dass ich selbst ein Beispiel des von mir ausgesprochenen
Heroismus im Handeln geben solle.
    Damit könnte ich nun meine erste Lebensperiode schließen und zu meinen
eigentlichen Jünglingsmonaten, die an das männliche Alter streifen, übergehen;
unmöglich kann ich aber den günstigen Lesern die beiden letzten Strophen der
herrlichen Glosse vorenthalten, die mein Meister nicht hören wollte. Hier sind
sie:
»Wohl, ich weiß es, widerstehen
Mag man nicht dem süßen Kosen,
Wenn aus Büschen duft'ger Rosen
Süße Liebeslaute wehen.
Will das trunkne Aug' dann sehen,
Wie die Holde kommt gesprungen,
Die da lauscht an Blumenwegen,
Kaum ist Sehnsuchts-Ruf erklungen,
Hat sich schnell hinangeschwungen.
Liebe kommt uns rasch entgegen.
Dieses Sehnen, dieses Schmachten
Kann wohl oft den Sinn berücken,
Doch wie lange kann's beglücken,
Dieses Springen, Rennen, Trachten!
Holder Freundschaft Trieb' erwachten,
Strahlten auf bei Hespers Scheine.
Und den Edlen brav und rein,
Ihn zu finden, den ich meine,
