
wollen. So mag ich hineingeraten sein in den fürstlichen Park zu Sieghartshof,
der nichts ist als eine etwas kleinliche Partie in dem großen Park, den die
Natur anlegte. - Doch nein, es ist dem nicht so! - Als Sie vorhin davon
sprachen, wie ein ganzes lustiges Jägervolk aufgeboten worden, mich einzufangen
als jagdbares Wild, das sich verlaufen, gewann ich erst die innere feste
Überzeugung von der Notwendigkeit meines Hierseins. Eine Notwendigkeit, die
mich, hätte ich auch meinen irren Lauf fortsetzen wollen, ins Garn treiben
musste. - Sie erwähnten gütig, dass meine Bekanntschaft Ihnen wert geworden,
mussten mir dabei nicht jene verhängnisvollen Tage der Verwirrung, der
allgemeinen Not einfallen, in denen uns das Schicksal zusammenführte? Sie fanden
mich damals hin und her schwankend, unfähig, einen Entschluss zu fassen,
zerrissen im innersten Gemüt. Sie nahmen mich auf mit freundlicher Gesinnung,
und indem Sie, mir den klaren wolkenlosen Himmel einer ruhigen, in sich
abgeschlossenen Weiblichkeit auftuend, mich zu trösten gedachten, tadelten und
verziehen Sie zugleich die tolle Ausgelassenheit meines Treibens, welches Sie
durch den Drang der Umstände herbeigeführter trostloser Verzweiflung
zuschrieben. Sie entzogen mich einer Umgebung, die ich selbst für zweideutig
anerkennen musste, Ihr Haus wurde das friedliche freundliche Asyl, in dem ich,
Ihren stillen Schmerz ehrend, den meinigen vergaß. Ihre Gespräche voll
Heiterkeit und Milde wirkten als wohltuende Arznei, ohne dass Sie meine Krankheit
kannten. Nicht die bedrohlichen Ereignisse, die meine Stellung im Leben
vernichten konnten, waren es, die so feindlich auf mich wirkten. Längst hatte
ich gewünscht, Verhältnisse aufzugeben, die mich drückten und ängstigten, und
nicht zürnen konnte ich auf das Schicksal, welches das bewirkte, was auszuführen
ich selbst so lange nicht Mut und Kraft genug gehabt hatte. Nein! - Als ich mich
frei fühlte, da erfasste mich jene unbeschreibliche Unruhe, die, seit meinen
frühen Jugendjahren, so oft mich mit mir selbst entzweit hat. Nicht die
Sehnsucht ist es, die, wie jener tiefe Dichter so herrlich sagt, aus dem höheren
Leben entsprungen, ewig währt, weil sie ewig nicht erfüllt wird, weder getäuscht
noch hintergangen, sondern nur nicht erfüllt, damit sie nicht sterbe; nein - ein
wüstes wahnsinniges Verlangen bricht oft hervor nach einem Etwas, das ich in
rastlosem Treiben außer mir selbst suche, da es doch in meinem eignen Innern
verborgen, ein dunkles Geheimnis, ein wirrer rätselhafter Traum von einem
Paradies der höchsten Befriedigung, das selbst der Traum nicht zu nennen, nur zu
ahnen vermag, und diese Ahnung ängstigt mich mit den Qualen des Tantalus. Dies
Gefühl bemeisterte sich schon, als ich noch ein Kind, meiner oft so plötzlich,
dass ich mitten aus dem frohsten Spiel
