 geneigten Lesern merklich verlieren. - Kommen alle diese Betrachtungen,
mit denen du dich so brüstest, nicht geradehin aus dem Munde des Kapellmeisters
Johannes Kreisler, und ist es überhaupt möglich, dass du solche Lebensweisheit
sammeln konntest, um eines menschlichen Schriftstellers Gemüt, das wunderlichste
Ding auf Erden, so tief zu durchschauen?)
    »Warum,« dacht' ich ferner, »sollt' es aber einem geistreichen Kater, ist er
auch Dichter, Schriftsteller, Künstler, nicht gelingen können, sich zu jener
Erkenntnis der höheren Kultur in ihrer ganzen Bedeutsamkeit hinaufzuschwingen und
sie selbst zu üben mit aller Schönheit und Anmut der äußern Erscheinung? - Hat
denn die Natur dem Geschlecht der Hunde allein den Vorzug jener Kultur gegönnt?
Sind wir Kater, was Tracht, Lebensweise, Art und Gewohnheit betrifft, auch etwas
von dem stolzen Geschlecht verschieden, so haben wir doch ebensogut Fleisch und
Blut, Körper und Geist, und am Ende können es die Hunde auch gar nicht anders
anfangen als wir, ihr Leben fortzusetzen. Auch Hunde müssen essen, trinken,
schlafen u.s.w., und es tut ihnen weh, wenn sie geprügelt werden.« - Was weiter!
- ich beschloss, mich dem Unterricht meines jungen vornehmen Freundes, des Pudels
Ponto, hinzugeben, und, ganz mit mir einig, begab ich mich zurück in meines
Meisters Zimmer; ein Blick in den Spiegel überzeugte mich, dass der bloße ernste
Wille, nach höherer Kultur zu streben, schon vorteilhaft auf meine äußere
Haltung gewirkt. - Ich betrachtete mich mit dem innigsten Wohlgefallen. - Gibt
es einen behaglichern Zustand, als wenn man mit sich selbst ganz zufrieden ist?
- Ich spann! -
    Andern Tages begnügte ich mich nicht damit, vor der Türe zu sitzen, ich
lustwandelte die Straße herab, da erblickte ich in der Ferne den Herrn Baron
Alzibiades von Wipp, und hinter ihm her sprang mein munterer Freund Ponto.
Gelegeners konnte mir nicht kommen; ich nahm mich soviel wie möglich in Anstand
und Würde zusammen und näherte mich dem Freund mit jener unnachahmlichen Grazie,
die, unschätzbares Geschick der gütigen Natur, keine Kunst zu lehren vermag. -
Doch! - entsetzlich! Was musste geschehen! - Sowie mich der Baron gewahrte, blieb
er stehen und betrachtete mich sehr aufmerksam durch die Lorgnette, dann rief er
aber: »Allons - Ponto! Huss - Huss - Katz! Katz!« - Und Ponto, der falsche Freund,
sprang in voller Furie auf mich los! - Entsetzt, aus aller Fassung gebracht
durch den schändlichen Verrat, war ich keines Widerstandes fähig, sondern duckte
mich so tief nieder, als ich konnte, um Pontos scharfen Zähnen zu entgehen, die
er mir knurrend zeigte.
