
deine eigne Mutter hat dir ihr mütterliches Herz verschlossen, ich will es dir
öffnen, dass du hineinzublicken, dass du die Gefahr, in der du schwebst, zu
erkennen und dich ihr zu entziehen vermagst. - Erfahre also fürs erste ohne
weitere Umschweife, dass deine Mutter nichts Geringeres fest in ihrem Sinn
beschlossen hat, als dich - -«
    (M.f.f.) - es indessen lieber bleiben lassen - Katerjüngling, sei bescheiden
wie ich und nicht gleich überall bei der Hand mit deinen Versen, wenn die
schlichte ehrliche Prosa hinreicht, deine Gedanken auszuspinnen. - Verse sollen
in dem in Prosa geschriebenen Buche das leisten, was der Speck in der Wurst,
nämlich hin und wieder in kleinen Stückchen eingestreut, dem ganzen Gemengsel
mehr Glanz der Fettigkeit, mehr süße Anmut des Geschmacks verleihen. Ich fürchte
nicht, dass dichterische Kollegen dies Gleichnis zu gemein und unedel finden
werden, da es von unsrer Lieblingsspeise entnommen und in der Tat manchmal ein
guter Vers einem mittelmäßigen Roman ebenso dienlich sein kann als ein fetter
Speck einer mageren Wurst. Ich sage das als ein Kater von ästetischer Bildung
und Erfahrung. - So sehr nach meinen bisherigen philosophischen und moralischen
Grundsätzen Pontos ganzes Verhältnis, seine Lebensweise, seine Art, sich in der
Gunst des Herrn zu erhalten, mir unwürdig, ja ein wenig miserabel vorkommen
mochte, doch hatte mich sein ungezwungener Anstand, seine Eleganz, seine
anmutige Leichtigkeit im sozialen Umgange gar sehr bestochen. Mit aller Gewalt
wollte ich mich selbst überreden, dass ich bei meiner wissenschaftlichen Bildung,
bei meinem Ernst in allem Tun und Treiben auf einer viel höheren Stufe stehe als
der unwissende Ponto, der nur hier und da etwas von den Wissenschaften
aufgeschnappt. Ein gewisses gar nicht zu unterdrückendes Gefühl sagte mir aber
ganz unverhohlen, dass Ponto überall mich in den Schatten stellen würde; ich
fühlte mich gedrungen, einen vornehmern Stand anzuerkennen und den Pudel Ponto
zu diesem Stande zu rechnen. -
    Ein genialer Kopf wie der meinige hat bei jedem Anlass, bei jeder
Lebenserfahrung immer seine besonderen eigentümlichen Gedanken, und so geriet
ich auch, meine innere Seelenstimmung, mein ganzes Verhältnis mit Ponto wohl
überlegend, in allerlei sehr artige Betrachtungen, die der ferneren Mitteilung
wohl wert sind. - »Wie kommt es,« sprach ich zu mir selbst, indem ich sinnig die
Pfote an die Stirn legte, »wie kommt es, dass große Dichter, große Philosophen,
sonst geistreich, lebensweise, sich im sozialen Verhältnis mit der sogenannten
vornehmeren Welt so unbehilflich zeigen? Sie stehen jederzeit da, wo sie eben in
dem Augenblick nicht hingehören, sie sprechen, wenn sie gerade schweigen
sollten, und schweigen umgekehrt da, wo gerade Worte nötig, sie stoßen in der
Form der
