 Bildung das
Weitre darüber nachlesen in einem sehr belehrenden und ganz angenehm
stilisierten Buche, Jacques le fataliste betitelt. War es nach dem ewigen
Ratschluss bestimmt, dass der Professor der Ästetik, Herr Lotario, ein - Nun, du
verstehst mich, guter Katz, aber zudem hat ja der Professor durch die Art, wie
er sich bei der merkwürdigen Handschuhgeschichte - sie sollte mehr Zelebrität
erhalten, schreib was darüber, Murr - benommen, seinen ganz entschiedenen, ihm
von der Natur eingepflanzten Beruf bewiesen, in jenen großen Orden zu treten,
den so viele, viele Männer tragen mit der gebietendsten Würde, mit dem schönsten
Anstande, ohne es zu wissen. Diesen Beruf hätte Herr Lotario erfüllt, gäb' es
auch keinen Baron Alzibiades von Wipp, keinen Ponto. Hatte aber wohl überhaupt
Herr Lotario etwas anderes, Besseres um mich verdient, als dass ich gerade
seinem Feinde mich in die Arme warf? - Dann aber fand auch der Baron gewiss
andere Mittel, sich mit der Professorin zu verstehen, und derselbe Schaden kam
über den Professor, ohne mir den Nutzen zu bringen, den ich jetzt wirklich von
dem angenehmen Verhältnis des Barons mit der holden Lätitia verspüre. Wir Pudel
sind nicht solche überstrenge Moralisten, dass wir in unserm eignen Fleische
wühlen und die im Leben schon sonst knapp genug zugeschnittene gute Bissen
verschmähen sollten.« -
    Ich fragte den jungen Ponto, ob denn der Nutzen, den ihm sein Dienst bei dem
Baron Alzibiades von Wipp verschaffe, in der Tat so groß und wichtig sei, dass er
das Unangenehme, das Drückende der damit verbundenen Knechterei aufwiege. Damit
gab ich ihm nicht undeutlich zu verstehen, dass eben diese Knechterei einem
Kater, dessen Freiheitssinn in der Brust unauslöschlich, immer widerlich bleiben
müsse.
    »Du redest,« erwiderte Ponto stolz lächelnd, »du redest guter Murr, wie du
es verstehst, oder vielmehr wie es dir deine gänzliche Unerfahrenheit in den
höheren Verhältnissen des Lebens erscheinen lässt. Du weißt nicht, was es heißt,
der Liebling eines solchen galanten gebildeten Mannes zu sein, als es der Baron
Alzibiades von Wipp wirklich ist. Denn dass ich seit der Zeit, als ich mich so
klug und dienstfertig benommen, sein größter Liebling geworden, darf ich dir, o
mein freiheitsliebender Katz, wohl nicht erst sagen. Eine kurze Schilderung
unserer Lebensweise wird dich das Angenehme, das Wohltätige meiner jetzigen Lage
sehr lebhaft fühlen lassen. - Des Morgens stehen wir (ich und mein Herr nämlich)
nicht zu früh, aber auch nicht zu spät auf; das heißt, auf den Schlag elf Uhr.
- Ich muss dabei bemerken, dass mein breites weiches Lager unfern dem Bette des
Barons aufgeschlagen ist, und dass wir viel zu harmonisch schnarchen,
