 ablegen, aber distinguendum est
inter et inter! - Für mich ist ein gut Glas Wein und ein tüchtiger Kirchengesang
die ganze Welt, aber Ihr - Ihr! Nun, Ihr seid noch zu ganz andern Dingen
aufgehoben, Euch lacht noch das Leben auf ganz andere Weise, Euch leuchten noch
ganz andre Lichter als die Altarskerzen! - Nun, Kreisler, kurz von der Sache zu
reden - stosst an! - Vivat Euer Mädel, und wenn Ihr Hochzeit macht, so soll Euch
der Herr Abt, alles Verdrusses unerachtet, durch mich von dem besten Wein
senden, der nur in unserm reichen Keller befindlich!«
    Kreisler fühlte sich durch Hilarius' Worte berührt auf unangenehme Weise, so
wie es uns schmerzt, wenn wir etwas Zartes, Schneereines erfasst sehen von plumpen
ungeschickten Händen. »Was,« sprach Kreisler, indem er sein Glas zurückzog, »was
Ihr nicht alles wisst, nicht alles erfahrt in Euren vier Mauern.«
    »Domine,« rief Pater Hilarius, »Domine Kreislere, nichts für ungut, video
mysterium, aber ich will das Maul halten! Wollt Ihr nicht auf Euer - Nun! Lasst
uns frühstücken in Kamera et faciemus bonum cherubim - und bibamus, dass der Herr
uns hier in der Abtei die Ruhe und Gemütlichkeit erhalten möge, die bisher
geherrscht.«
    »Ist,« fragte Kreisler gespannt, »ist denn die jetzt in Gefahr gekommen?« -
    »Domine,« sprach Pater Hilarius leise, indem er Kreislern vertraulich näher
rückte, »Domine dilectissime! Ihr seid lange genug bei uns, um zu wissen, in
welcher Eintracht wir leben, wie sich die verschiedensten Neigungen der Brüder
in einer gewissen Heiterkeit einigen, die von allem, von unserer Umgebung, von
der Milde der Klosterzucht, von der ganzen Lebensweise begünstigt wird. -
Vielleicht hat das am längsten gedauert. Erfahrt es, Kreisler! eben ist Pater
Cyprianus angekommen, der längst erwartete, der von Rom aus dem Abt auf das
dringendste empfohlen wurde. Es ist noch ein junger Mann, aber auf diesem
ausgedörrten starren Antlitz ist auch nicht eine Spur eines heitern Gemüts zu
finden, vielmehr liegt in den finstren abgestorbenen Zügen eine unerbittliche
Strenge, die den bis zur höchsten Selbstqual gesteigerten Asketiker verkündet.
dabei zeugt sein ganzes Wesen von einer gewissen feindseligen Verachtung alles
dessen, was ihn umgibt, die vielleicht wirklich dem Gefühl einer geistlichen
Übermacht über uns alle ihren Ursprung verdanken mag. - Schon erkundigte er sich
in abgebrochenen Worten nach der Klosterzucht und schien großes Ärgernis an
unserer Lebensweise zu nehmen. - Gebt acht, Kreisler, dieser Ankömmling wird
unsre ganze Ordnung, die uns so wohlgetan, verkehren! Gebt acht, nunc probo! Die
Strenggesinnten werden sich leicht an ihn anschließen
