, der die
menschliche Natur zu handhaben vermeint wie ein Uhrwerk, das man abstäuben,
aufziehen muss! - Grauenhaft ist er mir mit seinen Tropfen, mit seinen Essenzen.
- Von diesen Dingen soll mein Wohl abhängig sein? - So wäre ja das Leben
hienieden eine entsetzliche Neckerei des Weltgeistes.«
    »Und,« unterbrach Julie die Prinzessin, »und eben diese Überspannung ist der
Beweis, dass du noch krank bist, meine Hedwiga, und dich viel mehr schonen
solltest, als du es wirklich tust.«
    »Auch du willst mir weh tun!« So rief die Prinzessin, sprang hastig auf und
eilte ans Fenster, das sie öffnete und hinausschaute in den Park. Julie folgte
ihr nach, umschlang sie mit einem Arm und bat mit der zärtlichsten Wehmut, dass
sie doch wenigstens den rauen Herbstwind scheuen und sich die Ruhe gönnen möge,
die der Leibarzt für so heilsam geachtet. Die Prinzessin erwiderte indessen, dass
sie sich gerade durch den kalten Luftzug, der zum Fenster hineinströme, erquickt
und gestärkt fühle.
    Recht aus dem innigsten Gemüt heraus sprach nun Julia von der
letztvergangenen Zeit, in der ein finstrer bedrohlicher Geist gewaltet, und wie
sie alle innere Kraft aufbieten müssen, um nicht verstört zu werden von so
mancher Erscheinung, die ihr ein Gefühl erregt, dem sie kein anderes
gleichstellen könne als die wahre tötende Gespensterfurcht. Dahin rechnete sie
vorzüglich den geheimnisvollen Zwiespalt, der sich zwischen dem Prinzen Hektor
und Kreisler erhoben, und der das Entsetzlichste ahnen lassen, denn nur zu gewiss
sei es, dass der arme Johannes fallen sollen von der Hand des rachsüchtigen
Italieners und nur, wie Meister Abraham versichere, durch ein Wunder gerettet
worden.
    »Und,« so sprach Julia, »und dieser furchtbare Mann, er sollte dein Gemahl
werden? - Nein - nimmermehr! Dank der ewigen Macht! du bist gerettet! Niemals
kehrt er zurück. Nicht wahr, Hedwiga? Niemals!«
    »Niemals!« erwiderte die Prinzessin mit dumpfer, kaum vernehmbarer Stimme.
Dann seufzte sie auf aus tiefer Brust und sprach leise weiter wie im Traume:
»Ja, dieses reine Himmelsfeuer soll nur leuchten und wärmen, ohne mit
verderblichen Flammen zu vernichten, und aus der Seele des Künstlers leuchtet
die zum Leben gestaltete Ahnung - sie selbst - seine Liebe hervor! So sprachst
du hier an dieser Stelle.« -
    »Wer,« rief Julia ganz bestürzt, »wer sprach so? - An wen dachtest du,
Hedwiga?«
    Die Prinzessin fuhr mit der Hand über die Stirne, als müsse sie sich
besinnen auf die Gegenwart, der sie entrückt. Dann wankte sie, von Julien
unterstützt, zum Sofa, auf dem sie sich ganz erschöpft niederließ. Julia
