 ist nichts Geringes für einen Kater, der sich solcher
Vortrefflichkeit bewusst ist als ich, von einem stutzerhaften Pudel dergleichen
Verachtung dulden zu müssen.
    Der Professor geriet nun mit dem Meister in ein weitläuftiges Gespräch, das
sich nicht auf mich und auf mein Geschlecht zu beziehen schien, und von dem ich
eigentlich wenig verstand. Doch so viel vernahm ich wohl, dass davon die Rede
war, ob es besser sei, dem oftmals wirren ungezügelten Treiben exaltierter
Jugend mit offener Gewalt entgegenzutreten oder es nur einzugrenzen auf
geschickte unbemerkbare Weise und Raum zu geben der eignen Erkenntnis, in der
sich jenes Treiben alsbald selbst vernichtet. Der Professor war für die offene
Gewalt, da die Gestaltung der Dinge zum äußern Wohl es fordere, dass jeder
Mensch, alles Widerstrebens unerachtet, so zeitig als möglich in die Form
gepresst werde, wie sie durch das Verhältnis aller einzelnen Teile zum Ganzen
bedingt werde, da sonst sogleich eine verderbliche Monstrosität entstehe, die
allerlei Unheil verursachen könne. - Der Professor sprach dabei etwas von
Pereatbringen und Fenstereinwerfen, welches ich aber durchaus nicht verstand. -
Der Meister meinte dagegen, dass es mit jugendlichen exaltierten Gemütern so gehe
wie mit den Partiell-Wahnsinnigen, die der offene Widerstand immer wahnsinniger
mache, wogegen die selbst errungene Erkenntnis des Irrtums radikal heile und nie
einen Rückfall befürchten lasse.
    »Nun,« rief der Professor endlich, indem er aufstand und Stock und Hut
ergriff, »nun, Meister, was die offene Gewalt gegen exaltiertes Treiben betrifft,
so werdet Ihr mir doch insofern recht geben, dass sie da schonungslos eintreten
muss, wenn jenes Treiben verstörend hineingreift in das Leben, und so ist es, um
wieder auf Euren Kater Murr zurückzukommen, denn doch recht gut, dass, wie ich
höre, tüchtige Spitze die verwünschten Kater auseinandergetrieben haben, die so
bestialisch sangen und dabei Wunder sich große Virtuosen dankten.«
    »Wie man es nimmt,« erwiderte der Meister, »hätte man sie singen lassen,
vielleicht wären sie das geworden, was sie sich irrtümlicherweise schon zu sein
dünkten, nämlich in der Tat gute Virtuosen, statt dass sie jetzt vielleicht an
der wahren Virtuosität zweifeln ganz und gar.«
    Der Professor empfahl sich, Ponto sprang hinterdrein, ohne mich einmal, wie
er doch sonst mit vieler Freundlichkeit getan, eines Abschiedsgrusses zu
würdigen.
    »Ich,« wandte sich nun der Meister zu mir, »ich bin selbst bisher
unzufrieden gewesen mit deinem Betragen, Murr, und es ist Zeit, dass du einmal
wieder ordentlich und vernünftig wirst, damit du wieder zu besserm Rufe
gelangest, als in dem du jetzt zu stehen scheinst. Wäre es möglich, dass du mich
ganz verstündest, so würde ich dir raten, immer still, freundlich
