 im Innern eine überirdische Zufriedenheit fühlen lassen, die
in dem wirren Treiben der Welt nicht zu erringen. - Und Sie - Sie, mein
Johannes, gehören zu diesen Menschen, die die ewige Macht im Druck des Irdischen
hoch erhebt zum Himmlischen. Das rege Gefühl des höheren Seins, das Sie ewig mit
dem schalen irdischen Treiben entzweien wird, entzweien muss, strahlt mächtig
heraus in der Kunst, die einer andern Welt gehört und die, ein heiliges
Geheimnis der himmlischen Liebe, mit Sehnsucht in Ihrer Brust verschlossen ist.
Die glühendste Andacht selbst ist diese Kunst, und, ihr ganz ergeben, haben Sie
nichts mehr gemein mit einer buntscheckigen Welttändelei, die Sie von sich
werfen mit Verachtung, wie der zum Jüngling gereifte Knabe das abgenutzte
Spielzeug. - Entfliehen Sie für immer den aberwitzigen Neckereien hohnlächelnder
Toren, die Sie, mein armer Johannes, oft gequält haben bis aufs Blut! - Der
Freund breitet die Arme aus, Sie zu empfangen, Sie einzuführen in den sichern
Port, den kein Gewittersturm bedroht!« -
    »Tief,« sprach Johannes, da der Abt schwieg, ernst und düster, »tief fühle
ich die Wahrheit Ihrer Worte, mein ehrwürdiger Freund! tief, dass ich wirklich
nicht in eine Welt tauge, die sich mir gestaltet wie ein ewiges rätselhaftes
Missverständnis. Und doch - ich gestehe es frei, erregt mir der Gedanke Schauer
auf Kosten so mancher Überzeugung, die ich mit der Muttermilch eingezogen, dies
Kleid zu tragen, wie einen Kerker, aus dem ich nimmer wieder heraus kann. Es ist
mir, als wenn dem Mönch Johannes dieselbe Welt, in der der Kapellmeister
Johannes doch so manches hübsche Gärtlein voll duftender Blumen fand, plötzlich
eine öde unwirtbare Wüste sein würde, als wenn, einmal in das rege Leben
verflochten, die Entsagung -«
    »Entsagung,« unterbrach der Abt den Kapellmeister mit erhöhter Stimme,
»Entsagung? - Gibt es für dich, Johannes, eine Entsagung, wenn der Geist der
Kunst immer mächtiger wird in dir, wenn du mit starkem Fittich dich erhebst in
die leuchtenden Wolken? - Welche Lust des Lebens gibt es denn noch, die dich
betören könnte? Doch« (so fuhr der Abt mit sanfterer Stimme fort) »doch wohl hat
die ewige Macht ein Gefühl in unsere Brust gelegt, das mit unbesiegbarer Gewalt
unser ganzes Wesen erschüttert; es ist das geheimnisvolle Band, das Geist und
Körper verbindet, indem jener nach dem höchsten Ideal einer chimärischen
Glückseligkeit zu streben vermeint und doch nur will, was dieser als notwendiges
Bedürfnis in Anspruch nimmt, und so eine Wechselwirkung entsteht, die in der
Fortexistenz des menschlichen Geschlechts bedingt ist. - Nicht hinzufügen darf
ich, dass, ich von der Geschlechtsliebe spreche,
