 und jede Betörung vernichte. Und so will ich nur das, was
dunkel und verworren vielleicht in Ihrer eignen Brust liegt, entfalten, Ihnen
selbst zur deutlichen Erkenntnis bringen. Darf ich zu Ihnen, mein Johannes, denn
von den aberwitzigen Vorurteilen sprechen, die man in der Welt gegen das
Klosterleben hegt? - Immer muss den Mönch irgendein ungeheures Schicksal in die
Klause getrieben haben, wo er, aller Lust der Welt entsagend, unter beständiger
Qual ein trostloses Leben vertrauert. So wäre das Kloster der finstre Kerker, wo
die trostloste Trauer um ewig verlornes Gut, die Verzweiflung, der Wahnsinn
erfinderischer Selbstqual sich eingesperrt, wo abgehärmte bleiche Todesgestalten
ein elendes Dasein hinschleppten und ihre herzzermalmende Angst aushauchten in
dampfmurmelnden Gebeten!«
    Kreisler konnte sich nicht eines Lächelns erwehren, denn er gedachte, als
der Abt von abgehärmten bleichen Todesgestalten sprach, so manches wohlgenährten
Benediktiners und vorzüglich des wackeren rotwangichten Hilarius, der keine
größere Qual kannte, als Wein zu trinken von schlechtem Gewächs, und nur die
Angst, die ihm eine neue Partitur verursachte, welche er nicht gleich verstand.
    »Sie belächeln,« sprach der Abt weiter, »Sie belächeln den Kontrast des
Bildes, das ich aufstellte, mit dem Klosterleben, wie Sie es hier kennen
gelernt, und haben gewiss Ursache dazu. - Mag es auch sein, dass mancher,
zerrissen von irdischem Leid, alles Glück, alles Heil der Welt für immer
aufgebend, in das Kloster flieht, wohl ihm dann, dass die Kirche ihn aufnimmt und
er in ihrem Schoss einen Frieden findet, der allein ihn über alles erlittene
Ungemach trösten und ihn erheben kann über das verderbliche Geschick im
weltlichen Treiben. Aber wie viele gibt es, die der wahre innere Hang zum
andächtigen kontemplativen Leben in das Kloster führt, die, ungefügig in der
Welt, jeden Augenblick verstört durch das Andringen aller kleinlichen
Verhältnisse, wie sie sich nun einmal im Leben erzeugen, nur in selbstgewählter
Einsamkeit sich wohl befinden. Dann gibt es aber andere, die ohne entschiedenen
Hang zum klösterlichen Leben doch nirgends anders hingehören als eigentlich ins
Kloster. - Ich meine diejenigen, die Fremdlinge in der Welt sind und bleiben,
weil sie einem höheren Sein angehören und die Ansprüche dieses höheren Seins für
die Bedingung des Lebens halten, so aber rastlos das verfolgend, was hienieden
nicht zu finden, ewig dürstend in nie zu befriedigender Sehnsucht, hin und her
schwanken und vergeblich Ruhe suchen und Frieden, deren offene Brust jeder
abgeschossene Pfeil trifft, für deren Wunden es keinen Balsam gibt als die
bittere Verhöhnung des stets wider sie bewaffneten Feindes. Nur die Einsamkeit,
ein einförmiges Leben ohne feindliche Unterbrechung und vor allem das stete
freie Aufschauen zur Lichtwelt, der sie angehören, kann das Gleichgewicht
herstellen und sie
