 fernen
dunklen Waldung, beschwingt mit weißen Segeln, glitten schwer beladene Kähne auf
dem breiten Fluss, der das Tal durchströmte, schnell vorüber, und man vernahm die
frohen Grüße der Schiffer. Überall üppige Fülle, reichlich gespendeter Segen der
Natur, überall reges, ewig forttreibendes Leben. Die Aussicht in die lachende
Landschaft vom Hügel herab, aus den Fenstern der Abtei, erhob das Gemüt und
erfüllte es zugleich mit innigem Wohlbehagen.
    Mocht' es sein, dass man dem innern Schmuck der Kirche, der edlen, grandiosen
Grundanlage unerachtet, bei dem vielen bunten, vergoldeten Schnitzwerk und der
kleinlichen Bilderei mit Recht den Vorwurf der Überladung, des mönchischen
Ungeschmacks machen könnte, so fiel dafür der reine Stil, in dem die Zimmer des
Abts gebaut und verziert waren, desto mehr ins Auge. Aus dem Chor der Kirche
trat man unmittelbar in einen geräumigen Saal, der zur Versammlung der
Geistlichen und zugleich zur Aufbewahrung der Instrumente und Musikalien diente.
Aus diesem Saal führte ein langer Korridor, der eine jonische Säulenstellung
bildete, in die Gemächer des Abts. Seidene Tapeten, auserlesene Gemälde der
besten Meister aus verschiedenen Schulen, Büsten, Statüen großer Männer der
Kirche, Teppiche, zierlich ausgelegte Fussböden, kostbares Gerät, alles deutete
hier auf den Reichtum des wohldotierten Klosters. Dieser Reichtum, der in dem
Ganzen herrschte, war aber nicht jener glänzende Prunk, der das Auge blendet,
ohne ihm wohlzutun, und der Staunen, aber nicht Wohlbehagen erzeugt. Alles war
an seiner rechten Stelle angebracht, nichts wollte prahlerisch die
Aufmerksamkeit für sich allein fesseln und die Wirkung des andern zerstören, und
so dachte man nicht an die Kostbarkeit dieses, jenes einzelnen Schmucks, sondern
fühlte sich von dem Ganzen gemütlich angeregt. Das durchaus Gehörige in der
Anordnung brachte diesen gemütlichen Eindruck hervor, und eben das richtig
entscheidende Gefühl des Gehörigen möchte wohl das sein, was man guten Geschmack
zu nennen pflegt. Das Bequeme, Wohnliche dieser Gemächer des Abts grenzte an das
Üppige, ohne in der Tat üppig zu werden, und so durfte es keinen Anstoß geben,
dass ein Geistlicher alles dies selbst angeordnet und herbeigeschaft. Der Abt
Chrysostomus hatte, als er vor wenigen Jahren nach Kanzheim kam, die abteiliche
Wohnung einrichten lassen, wie sie sich jetzt fand, und sein ganzer Charakter,
seine ganze Art zu sein sprach sich schon lebhaft aus in dieser Einrichtung, ehe
man ihn selbst sah und bald die hohe Stufe seiner geistigen Bildung gewahrte.
Noch in den vierziger Jahren, groß, wohlgebaut, geistvollen Ausdruck im männlich
schönen Antlitz, Anmut und Würde im ganzen Betragen, flößte der Abt jedem, der
sich ihm nahte, die Ehrfurcht ein, die sein Stand forderte. Eifriger Kämpfer für
die Kirche, rastloser Verfechter der Rechte seines
