 verdienten Schlägen nicht anders entgehen und dem Alten
eine Äußerung väterlicher Freude entlocken, als wenn er vermöge eigener
Erfindungsgabe irgendeine neue Künstelei, etwa ein schärfer tönendes Kikeriki
herausgebracht für den nächsten Orgelhahn. Mit angstvoller Sehnsucht hatte
Abraham die Zeit herbeigewünscht, in der er dem Handwerksgebrauch gemäß auf die
Wanderschaft gehen sollte. Endlich kam diese Zeit heran, und Abraham verließ das
väterliche Haus, um nie wieder zurückzukehren .
    Auf dieser Wanderung, die er in Gemeinschaft mit andern Gesellen, meistens
wüsten, rohen Burschen, unternahm, sprach er einst ein in der Abtei St. Blasius,
die im Schwarzwalde belegen, und hörte dort das berühmte Orgelwerk des alten
Johann Andreas Silbermann. In den vollen herrlichen Tönen dieses Werks ging zum
erstenmal der Zauber des Wohllauts auf in seinem Innern, er fühlte sich in eine
andere Welt versetzt, und von dem Augenblick an war er ganz Liebe für eine
Kunst, die er sonst mit Widerwillen treiben müssen. - Nun kam ihm aber auch sein
ganzes Leben in der Umgebung, wie er es bis jetzt geführt hatte, so nichtswürdig
vor, dass er alle Kraft aufbot, sich herauszureissen aus dem Schlamm, in den er
sich versunken glaubte. - Sein natürlicher Verstand, seine Fassungsgabe ließ
ihn in der wissenschaftlichen Bildung Riesenschritte machen, und doch - fühlte
er oft die Bleigewichte, die die frühere Erziehung, das Forttreiben in der
Gemeinheit ihm angehängt. - Chiara, die Verbindung mit diesem seltsamen
geheimnisvollen Wesen, das war der zweite Lichtpunkt in seinem Leben, und so
bildete beides, jenes Erwachen des Wohllauts und Chiaras Liebe, einen Dualismus
seines poetischen Seins, der wohltätig hineinwirkte in seine rohe, aber kräftige
Natur. - Kaum den Herbergen, kaum den Schenken, wo im dicken Tabaksqualm
Zotenlieder ertönten, entronnen, brachte der Zufall oder vielmehr die
Geschicklichkeit in mechanischen Künsteleien, denen er den Anstrich des
Geheimnisses zu geben wusste (wie der geneigte Leser schon erfahren), den jungen
Abraham in Umgebungen, die ihm eine neue Welt sein mussten, und in denen er, ewig
Fremdling bleibend, sich nur dadurch aufrecht erhielt, dass er den festen Ton
behauptete, den seine innere Natur ihm angegeben. Dieser feste Ton wurde mit der
Zeit immer fester, und da er keineswegs der eines simplen Grobians, sondern auf
klaren gesunden Menschenverstand, richtige Lebensansicht und daraus sich
erzeugenden treffenden Spott basiert war, so könnt' es nicht fehlen, dass da, wo
der Jüngling sich nur aufrecht erhalten und toleriert worden, der Mann als ein
zu fürchtendes Prinzip großen Respekt einflößte. Es ist nichts leichter als
gewissen vornehmen Leuten zu imponieren, die immer noch weiter unter dem stehen,
wofür man sie etwa halten mochte. Daran dachte nun Meister Abraham eben in dem
Augenblick, als er von
