 mit jedem Tag träger und
fauler. Ich glaube, du frissest, du schläfst zu viel.«
    Ein Lichtstrahl fiel bei diesen Worten des Meisters in meine Seele! - Nur
dem Andenken an Miesmies, an das verscherzte Paradies der Liebe hatte ich meine
träge Traurigkeit zugeschrieben, nun erst gewahrte ich aber, wie das irdische
Leben mich mit meinen aufwärts strebenden Studien entzweit und seine Ansprüche
geltend gemacht hatte. Es gibt Dinge in der Natur, die es deutlich erkennen
lassen, wie die gefesselte Psyche dem Tyrannen, Körper genannt, ihre Freiheit
hinopfern muss. Zu diesen Dingen rechne ich nun ganz vorzüglich den
wohlschmeckenden Brei von Mehl, süßer Milch und Butter, sowie ein breites, mit
Rosshaaren wohlgepolstertes Kissen. Jenen süßen Brei wusste die Aufwärterin des
Meisters gar herrlich zu bereiten, so dass ich jeden Morgen zum Frühstück zwei
tüchtige Teller voll mit dem größten Appetit verzehrte. Hatte ich aber dermaßen
gefrühstückt, dann wollten mir die Wissenschaften gar nicht mehr munden, sie
kamen mir vor wie trockene Speise, und nichts half es auch, wenn ich, davon
ablassend, mich rasch in die Poesie warf. Die hochgepriesensten Werke der
neuesten Autoren, die gerühmtesten Trauerspiele hochgefeierter Dichter konnten
meinen Geist nicht festhalten, ich geriet in ein ausschweifendes Gedankenspiel,
unwillkürlich trat die kunstfertige Aufwärterin des Meisters in Konflikt mit dem
Autor, und es wollte mir gemuten, als verstehe jene sich viel besser auf die
gehörige Gradation und Mischung der Fettigkeit, Süße und Stärke als dieser. -
Unglückliche träumerische Verwechselung des geistigen und leiblichen Genusses! -
Ja, träumerisch kann ich sie nennen, diese Verwechslung, denn Träume stiegen auf
und ließ mich jenes zweite gefährliche Ding, das breite, mit Rosshaaren
gepolsterte Kissen suchen, um sanft darauf zu entschlummern. Dann erschien mir
das süße Bild der holden Miesmies! - Himmel, so stand wohl alles im
Zusammenhange, Milchbrei, Verachtung der Wissenschaften, Melancholie, Polster,
unpoetische Natur, Liebesandenken! - Der Meister hatte recht, ich frass, ich
schlief zuviel! - Mit welchem stoischen Ernst nahm ich mir vor, mäßiger zu sein,
aber schwach ist des Katers Natur, die besten, herrlichsten Entschlüsse
scheiterten an dem süßen Geruch des Milchbreies, an dem einladend
aufgeschwellten Polster. - Eines Tages hört' ich den Meister, da er zum Zimmer
herausgetreten, auf dem Flur zu jemanden sagen: »Mag es sein, meinetwegen,
vielleicht heitert ihn Gesellschaft auf. Aber macht ihr mir dumme Streiche,
springt ihr mir auf die Tische, schmeisst ihr mir das Tintenfass um oder sonst was
herab, so werf' ich euch alle beide zum Tempel heraus.«
    Darauf öffnete der Meister die Türe ein wenig und ließ jemanden herein.
Dieser Jemand war aber kein anderer als Freund Muzius
