« rief endlich der ernsthafte Mann, der eben
gesprochen, und fuhr dann weiter fort: »Irre ich nicht, so erwähnten Sie, teurer
Ästetiker, vorhin eines Pudels Ponto, der Ihnen des Katers dichterisches und
wissenschaftliches Treiben verraten. Dies bringt mich denn auf Cervantes höchst
vorzügliche Berganza, von dessen neuesten Schicksalen in einem gewissen neuen,
höchst abenteuerlichen Buche Nachricht gegeben wird. Auch dieser Hund gibt ein
entscheidendes Beispiel über das Naturell und über die Bildungsfähigkeit der
Tiere.« »Aber,« nahm der andere das Wort, »aber mein teurer, liebster Freund,
welche Beispiele führen Sie denn da an? Von dem Hunde Berganza spricht ja
Cervantes, der bekanntlich ein Romanschreiber war, und die Geschichte vom
gestiefelten Kater ist ja ein Kindermärchen, welches Herr Tieck freilich mit
solcher Lebendigkeit uns vor Augen gebracht hat, dass man beinahe die Torheit
begehen könnte, wirklich daran zu glauben. Also zwei Dichter allegieren Sie, als
wären es ernste Naturhistoriker und Psychologen, nun sind aber Dichter nichts
weniger als das, sondern ausgemachte Phantasten, die lauter eingebildetes Zeug
ausbrüten und vorbringen. Sagen Sie, wie mag denn aber ein verständiger Mann wie
Sie sich auf Dichter berufen, um das zu bewahrheiten, was wider Sinn und
Verstand läuft? Lotario ist Professor der Ästetik, und es ist billig, dass er
als solcher bisweilen etwas weniges über die Schnur haue, aber Sie -«
    »Halt,« sprach der Ernste, »halt, mein Liebster, ereifern Sie sich nicht.
Bedenken Sie fein, dass, wenn vom Wunderbaren, Unglaublichen die Rede, man
füglich Dichter allegieren darf, denn simple Historiker verstehen den Teufel was
davon. Ja, wenn das Wunderbare in Schick und Form gebracht und als reine
Wissenschaft vorgetragen werden soll, wird der Beweis irgendeines
Erfahrungssatzes am besten aus berühmten Dichtern entnommen, auf deren Wort man
bauen darf. Ich führe Ihnen, und damit werden Sie, selbst ein gelehrter Arzt,
zufrieden sein - ja! sage ich, ich führe Ihnen das Beispiel eines berühmten
Arztes an, der in seiner wissenschaftlichen Darstellung des animalischen
Magnetismus, um unsern Rapport mit dem Weltgeiste, um das Dasein eines
wunderbaren Ahnungsvermögens unleugbar ins Licht zu stellen, sich auf Schiller
und dessen Wallenstein bezieht, welcher sagt: Es gibt im Menschenleben
Augenblicke und Dergleichen Stimmen gibt's - es ist kein Zweifel - - und wie es
denn weiter heißt. Sie können das Weitere selbst nachlesen in der Tragödie.« -
»Ho ho!« erwiderte der Doktor, - »Sie springen ab - Sie geraten in den
Magnetismus und sind imstande, zuletzt zu behaupten, dass nächst allen Wundern,
die dem Magnetiseur zu Gebote stehen, er auch den Schulmeister für empfängliche
Kater abgeben könnte.«
