 an ihnen zu
loben, im Gespräche vorführte, auch hörte er ihr diesmal geduldig zu und
bekannte, dass eine Heirat ihn sehr glücklich machen könnte, wenn er eine zweite
Apollonia auf Erden fände. »Sieh nur um dich«, sagte die Mutter, »wähle, welche
du willst, es schlägt dir kein Vater seine Tochter ab, die reichsten
Geschlechter haben es mir unter der Hand durch arme Witwen sagen lassen, du
brauchtest nur anzuklopfen und dir würde aufgetan; ich wüsste keinen schöneren
Lohn für mich, als wenn ich am Ende meiner Tage ein Kind von dir auf meinen
Armen wiegen könnte.«
    Der Bürgermeister versprach gerührt, das Heiraten in bessere Überlegung, als
bisher, zu nehmen und Frau Hildegard ging froh von ihm und ließ eine für die
Genesung des Sohnes seit lange angelobte, ewige Lampe vor dem Marienbilde am
vorderen Hausgiebel mit frommen Dankgebete anzünden. Die Stadt lief bei der
seltsamen Erscheinung zusammen, erzählte sich von der Heilung des guten
Bürgermeisters und brachte ihm unter Begleitung der kunstreichen Stadtpfeifer
ein freudiges Lebehoch. Bertold war tief gerührt durch die Teilnahme der Menge,
er hätte gern zu ihnen gesprochen, aber die Mutter Hildegard wollte es aus
Sorge, er möchte sich erkälten, nicht dulden. Es war auch gut, denn sonst hätte
er mitten durch den Jubel das Geschrei im Ratskeller gehört, was der trunkne
Faust in demselben mit allerlei Katzen und Hunden anstellte, die er unter
Gotteslästerungen marterte, wie er sich mit dem alten Sixt um Anton zankte und
endlich von diesem zum Keller hinausgeworfen wurde und nun auf allen vieren,
weil er sich sonst nicht halten konnte, zum Spott der Knaben über das Eis
hinkroch, bis ihm einer in einer Seitengasse einen Schweinestall öffnete, wo er
mit seinen grunzenden Glaubensgenossen eine selige Nacht verschlief.
 
                               Zweite Geschichte
                            Die Reise nach Augsburg
Der Morgen war ein seliges Erwachen für den guten Bertold, die Mutter hatte es
ihm schon im Schlafe angesehen, dass er sich wohl befinde, und war gleich heiter
und gesprächig. Beide dachten auf schöne Gaben, die sie dem Faust verehren
wollten, als die Nachricht kam, er habe sich in großem Zorn aus der Stadt
fortbegeben, nachdem er am Morgen sein Nachtlager kennen gelernt, zugleich
beschuldigten ihn die Leute vieler schändlicher Laster. »Wie kann ein Wohltäter
der Menschen, mit der höchsten Weisheit und Gnade begabt, solch ein Saumatz
sein!« seufzte Frau Hildegard. Aber Bertold, der viel in Römern und Griechen
gelesen hatte, suchte ihr deutlich zu machen, wie gerade die allgemeine,
wissenschaftliche Ansicht, wenn sie allein herrschend würde, die sittlichen
Grenzen des einzelnen Menschen auslösche; er sehe so Mannigfaltiges,
Widersprechendes geglaubt und geehrt, dass er nur den Geist achte, in welchem
alles getrieben würde
