, nahmen unwillkürlich die
Mützen ab und falteten die Hände, sie fanden sich durch diese Zusammenstellung
an ein Gemälde der Waiblinger Kirche erinnert.
 
                                  Zweites Buch
                                Erste Geschichte
                             Die wunderbare Heilung
Die Gewohnheiten und der Schmuck des täglichen Lebens verwandeln sich früher in
der zerstörenden und schaffenden Hand der Zeit und des Menschen, als das
sonntägliche, kirchliche Wesen; die Kunst insbesondere versucht sich erst im
Weltleben und über lebt ihre meisten Irrtümer in demselben, ehe das Geheiligte
die Verwandlung erfährt, ja es scheint, dass sie sich zuweilen, nach dem
Erreichen einer gewissen Höhe, unter dem Einflusse ewiger Ahndungen ganz von dem
heiligen Kreise wendet, um mit frischer, neu begründeter Kraft sich demselben
von andrer Seite zu nahen. Es ist leicht, durch den Anblick von älteren Kirchen
uns in die Zeiten Luthers, Dürers, Raphaels zu versetzen, schwerer ist's, das
häusliche Leben jener Zeit noch irgendwo ungestört erhalten zu finden. Der Bau
unsrer Häuser hat sich so gänzlich verändert, wie unser Verkehr, wir glauben
bequemer zu wohnen; im Bau und Schmuck der Kirchen dagegen ist bei allen
verschiedenartigen Glaubensbekennern noch kein wesentlicher Fortschritt gemacht.
Hat ein Teil der Christen sich der Kunst in Kirchen geschämt (Reformierte), so
hat ein andrer durch bedeutungslose Anwendung derselben (man vergleiche alle
prachtvolle Jesuiterkirchen), sie weder gefördert, noch den Dienst verherrlicht
und beides wird vor einer neuen Kunst verschwinden, deren Strahlen uns aus der
Dämmerung erwärmen; vielleicht wird ungestört fortgearbeitet werden, wo Cranach,
Dürer und Raphael ihre Pinsel niederlegten, wo die edlen Bilder vor den toten
Augen unter Staub oder Kerzendampf verblichen, oder wo die blinde Wut sie
herabriss. Ehe aber diese Zeit eintreten kann, muss Alltägliches und
Sonntägliches, muss Haus und Kirche aus einem Stück gebildet sein, wie damals,
als unser Dürer den heiligen Hieronymus mit seinem Löwen in sein eigenes
Wohnzimmer setzte, als Cranach den Melanchton zur Taufe, den Luther zur
Kreuzigung Christi führte. Das Himmlische war damals noch nicht so weit der Erde
entrückt, sondern wohnte vertraulich unter den Wahrhaften, der Künstler brauchte
sich nicht in eine andre Welt hinauf zu schrauben, er sah die Seinen im erhöhten
Sinn an. Wer zu Wittenberg in Luthers Wohnzimmer geblickt hat, muss die innige,
eigene Entwickelung jener zeit erkennen, wie Blatt und Blüte, Krone und Wurzel
einer Pflanze auf einander deuten, so natürlich fühlt sich jene Zeit von ihrem
innern Reichtum auch äußerlich durchdrungen, ohne es selbst zu wissen; denn
lebte gleich Luther nach allen Nachrichten prachtlos und einfach, so ist doch
das Getäfel, der kunstreiche Ofen, mit edlen Bildern der Wissenschaften und
Künste geschmückt, unendlich besser, einiger mit dem Stil des ganzen Gebäudes,
als wir jetzt die Zimmer eines Geistlichen finden würden. Derselbe
