 hat Euch ihr Haus und
Bette versagt und Susannen könntet Ihr dann heiraten.«
    »Sonderbar ist's«, sagte Anton, »dass es in einer Lehre eine Sünde sein kann,
was gleichsam die ganze Seele fordert, und die andre Lehre für recht erklärt;
überhaupt seit mir selbst so viel Wunderbares begegnet ist, denke ich über das
Wunderbare in unserm Glauben anders, ich bin allen den Wesen, vor denen ich in
scheuer Entfernung selig in ihrem kleinsten Blicke wandelte, näher gezwungen,
das Wunderbare in ihnen liebe ich nicht mehr, sondern ich meine es ein großes
Unglück, womit sie behaftet sind, aber das Herrliche, rein Menschliche in ihrem
Wandel schwebt mir in unerreichlicher Höhe und käme ich wieder zu meinen Farben,
das würde ich auszudrücken streben; was kümmert mich jetzt die gnadenreiche
Mutter Maria, die an den geheiligten Orten manchem Leidenden geholfen hat; die
herrliche Mutter und Frau, deren weiser Unterricht ihr Kind so früh gereift hat,
dass es im Tempel jugendlich auftreten konnte, die alten Graubärte zu beschämen,
die ist mir ehrwürdig, weil Millionen zu ihr anstreben und keiner sie erreicht.«
    »Herr«, sprach Güldenkamm, der seit den letzten Ereignissen sich zu einer
Art von ernstem Verhältnisse gegen ihn gebunden fühlte, »Herr, Ihr seid schon
ein Luteraner, wenn Ihr so sprecht, wenn Ihr so frei forscht über das
Religionswesen, wenn Ihr nur das ehren wollt, was Euch ehrwürdig scheint.«
    »Da bin ich gar schon weiter«, sprach Anton, »das lange Beten
unverständlicher lateinischer Worte mag ich gar nicht mehr ertragen, selbst das
Gebrümmle eines solchen Beters kann mich erzürnen, immerhin mag es gut sein,
wenn Menschen mit Gewalt einem Glauben unterworfen sind, die nichts anerkennen
als die Gewalt, dass sie so einen Betlärmen bei einander machen, wie jede Art
Vieh sich an solch Geschrei und auch die erkennt, die sie füttern; die Menschen
aber, die in ihrer Erkenntnis aus den übrigen hervorgerissen sind, denen genügt
kein solches auswendig gelerntes Plappern.«
    »Herr, Ihr seid schon weit über Luther«, sprach Güldenkamm, »Ihr könnt Euch
immer scheiden lassen.«
    »Aber hört«, sprach Susanna, »wenn unsrer Inbrunst nun kein Wort genügt und
die Stummheit unsern Herzen widerspricht, sind uns da nicht Worte willkommen,
bei denen das Gefühl stets mit Heiligkeit verweilte, die von uns nie
gemissbraucht sind, weil sie uns nicht verständlich sind, während in unserer
Sprache selbst die frommsten Redensarten gar oft fluchend und spottend vor
unsern Ohren missbraucht sind, darum bete ich mein Ave Maria.«
    »Ihr würdet Euch also niemals scheiden lassen?« fragte Anton erleichtert.
    »Ich verdamme keinen, der es tut
