 der Knabe; »Ich habe nun schon
seit Jahren etwas zu tun vermeint, es war aber lauter Nichts und nur zu meiner
Übung; wenn nun das alles, was ich hier treiben soll, auch nur zu meiner Prüfung
und an sich zu nichts dient?« - »Vielleicht, lieber Sohn«, antwortete der Alte
leise, »zuweilen überkommt mich so eine tiefere Einsicht und sie erschreckt mich
nicht mehr wie sonst, du aber bist ein Kind, darum weine dich aus wie ein Kind,
wirst immer noch früher wieder lachen als ich, wenn ich dich zum
Schneidermeister Fingerling führe und dir das grüne Kleid anmessen lasse, was du
mit deinem Schreiben dir verdient hast. An dem Kleid magst du erkennen dass
dennoch nichts vergebens ist, was der Mensch in gutem Willen tut.« Sie gingen zu
Meister Fingerling und der kleine Bertold ward in der Werkstätte vom Meister
nach allen Richtungen gemessen. Seltsam war es ihm, als er den Arm musste heben
und krümmen, wie er es sonst nie getan, er meinte in dem neuen Rocke künftig
immer so stehen zu müssen. Während der Meister die Umrisse des Kleids auf das
Tuch nach dem Masse kreidete und zuschnitt, sah der junge Bertold mit großer
Aufmerksamkeit der Schere nach. »Ich sehe es wohl an deiner Neugierde«, sprach
Fingerling, »dass du Lust zum Handwerk hast und dass du die spöttischen Reden der
andern Gewerke über uns Schneider nicht achtest.« Der junge Bertold antwortete
darauf: »Ich verstehe nichts von Eurem Gewerke, lieber Meister, aber
unbarmherzig scheint es mir, wie Ihr mit der großen Schere das schön farbige
Tuch zerfetzt, mir ist's, als zerschnittet Ihr mir die Haut, so lieb habe ich
diese grüne Wiesenfläche; ich hätte mir das Tuch bewahren sollen, statt es
zerschneiden zu lassen, um das Geschenk der edlen Jungfrau mir auf immer zu
bewahren.« - »Du musst ein Tuchhändler werden«, sagte der fixfingrige Mann, ohne
von der geheimnisvollen Bewegung seiner Schere aufzublicken, »wenn so ein
Händler mit rechtem, eignen Wohlgefallen das Tuch aufrollt und mit der Hand
sanft überfährt, als ob er des Käufers ganz vergessen, da gibt jeder einige
Kreuzer mehr. Ich für mein Teil denke, das Tuch wird erst durch meinen Zuschnitt
zu etwas, wie der Mensch durch die Erziehung, ja ich sehe dann schon im Geiste
die goldne Ehrenkette in dem Wams verdienen und darauf prangen.« - »Ich würde
lieber ein Tuchhändler«, sagte der junge Bertold und empfahl sich dem Meister
mit besonderer Zuneigung Frau Hildegard ehrte den Knaben mit tausend
Zärtlichkeiten und noch mehr Ermahnungen, als sie seine neue Würde vernahm, nur
Martin schüttelte mit dem Kopfe und brummte vor sich:
