 einen rechten Ernst daraus, ich bin dir auch recht gut und in der
Wirtschaft bist du noch brauchbarer, als Anna, ich werde gar zu sehr betrogen,
wenn ich länger allein wirtschafte.« - »Nun das hat Zeit«, sagte die Mutter
Apollonia, »wollen uns darüber noch ein zehn Jahre bedenken, aber zum Tanz gehen
wir mit einander, lasst uns nur das Zimmer frei, damit wir uns dazu ankleiden
können.«
    Bertold führte den heiratslustigen Meister in die Laube vor der Haustüre,
übersah so die Straße und sprach, um von dem unbequemen Verhältnisse des Mannes
zu Annen abzukommen: »Es ist doch eine herrliche Sache um den Eifer fürs gemeine
Wohl, der in Reichsbürgern liegt, auch in den Vergnügungen zeigt es sich, sie
lieben das Öffentliche und Gemeinsame und setzen darin ihre Ehre, während die
Bürger andrer Städte ihre Feste lieber im engen Hause unter wenigen Verwandten
feiern und keinen Kreuzer für öffentliche Lustbarkeiten zusammensteuern mögen.
Und wie sie zur Lust nicht gemeinsam gesellt sind, so trifft auch jedes Unglück
den einzelnen vernichtend, denn jeder fängt mit seiner Dummheit zu leben an und
muss auch damit auskommen. Ja ich sage Euch, bis in Kleinigkeiten macht sich eine
freie Stadt kenntlich, schon in den herrlichen Glocken tönt's entgegen aus der
Ferne, da darf keine gesprungene scharren, dann kommen viele zierliche Gärten
und auch im ärmsten ist noch etwas für den Anblick getan, die Zäune verziert und
angestrichen, die Stadtmauern und Tore sind aber vor allem gut erhalten und aus
den reinlichen Häusern strecken sich überall die Gewerbszeichen, wie
Siegesfahnen heraus und die Wirte stehen ruhig und fest in den Türen, sie
wissen, dass sie mit zu regieren haben. Sehe ich nun die vielfachen Waren in den
Läden, so erkennt sich gleich die allgemeine Verbindung unter den Städten, der
keine Entfernung zu weit ist, das Nützliche und Künstliche gegen gemeine
Landeserzeugnisse einzutauschen. Im Einheimischen ist alles kunstreicher, das
Brot weißer, die Semmel in allerlei lockenden Gestalten, die Braten kunstreich
in der Haut gekerbt, dass Hirsche und Hasen drüber zu laufen scheinen.« - »Es
gibt nur ein Augsburg«, rief Kugler, »wir Augsburger haben den Schelm im Nacken,
ich sage Euch, zwölftausend Ochsen schlachten wir jährlich und darunter sind
rechte Kerls. Auf unserm Kornhause bewahren wir hundertundeinjährigen Roggen,
habe selbst davon kürzlich ein Probebrot gegessen, es ist etwas schwärzer, aber
sehr nahrhaft; wir haben einen Tanzsaal erbaut, da können dreihundert Paare
schleifen, wir haben einen Knopf auf die Hauptkirche gesetzt, der wiegt 309
Pfund. Das Sprichwort sagt: Nürnberger Hand geht durch alle Land, aber nichts
geht über Augsburger Geld, das gilt in der Neuen Welt. - Übrigens wird es
