 die Flammen sprang,
Über ihnen die Burg zusammensank.«
Faber brach, als sie geendigt hatte, einen Eichenzweig von einem herabhängenden
Aste, bog ihn schnell zu einem Kranze zusammen und überreichte ihr denselben,
indem er mit altritterlicher Galanterie vor ihr hinkniete. Julie drückte den
Kranz mit seinen frischgrünen, vollen Blättern lächelnd in ihre blonden Locken
über die ernsten, großen Augen, und sah so wirklich dem Bilde nicht unähnlich,
das sie besungen. -
    »Es ist seltsam«, sagte Faber darauf, »wie sich unser Gespräch nach und nach
beinahe in einen Wechselgesang aufgelöst hat. Der weite, gestirnte Himmel, das
Rauschen der Wälder ringsumher, der innere Reichtum und die überschwengliche
Wonne, mit welcher neue Entschlüsse uns jederzeit erfüllen, alles kommt
zusammen; es ist, als hörte die Seele in der Ferne unaufhörlich eine große,
himmlische Melodie, wie von einem unbekannten Strome, der durch die Welt zieht,
und so werden am Ende auch die Worte unwillkürlich melodisch, als wollten sie
jenen wunderbaren Strom erreichen und mitziehen. So fällt auch mir jetzt ein
Sonett ein, das euch am besten erklären mag, was ich von Leontins Vorhaben
halte.« Er sprach:
In Wind verfliegen sah ich, was wir klagen,
Erbärmlich Volk um falscher Götzen Tronen,
Wen'ger Gedanken, deutschen Landes Kronen,
Wie Felsen, aus dem Jammer einsam ragen.
Da mocht ich länger nicht nach euch mehr fragen,
Der Wald empfing, wie rauschend! den Entflohnen,
In Burgen alt, an Stromeskühle wohnen,
Wollt ich auf Bergen bei den alten Sagen.
Da hört ich Strom und Wald dort so mich tadeln:
»Was willst, Lebend'ger du, hier überem Leben,
Einsam verwildernd in den eignen Tönen?
Es soll im Kampf der rechte Schmerz sich adeln,
Den deutschen Ruhm aus der Verwüstung heben,
Das will der alte Gott von seinen Söhnen!«
Friedrich sagte: »Es ist wahr, wovon Ihr Sonett da spricht, und doch billige ich
Leontins Plan vollkommen. Denn wer, von Natur ungestüm, sich berufen fühlt, in
das Räderwerk des Weltganges unmittelbar mit einzugreifen, der mag von hier
flüchten, so weit er kann. Es ist noch nicht an der Zeit, zu bauen, solange die
Backsteine, noch weich und unreif, unter den Händen zerfließen. Mir scheint in
diesem Elend, wie immer, keine andere Hilfe, als die Religion. Denn wo ist in
dem Schwalle von Poesie, Andacht, Deutschheit, Tugend und Vaterländerei, die
jetzt, wie bei der babylonischen Sprachverwirrung, schwankend hin und her
summen, ein sicherer Mittelpunkt, aus welchem alles dieses zu einem klaren
Verständnis, zu einem lebendigen Ganzen gelangen könnte? Wenn das Geschlecht
vorderhand einmal
