 den ersten Klängen
auf, sah sich ärgerlich um und ging fort.
    Leontin, von den plötzlichen Tönen wie im innersten Herzen erweckt, hob sein
Glas hoch in die Höhe und rief: »Es lebe die Freiheit!« »Wo?« - fragte Faber,
indem er selbst langsam sein Glas aufhob. - »Nur nicht etwa in der Brust des
Philosophen allein«, erwiderte Leontin, unangenehm gestört. »Diese allgemeine,
natürliche, philosophische Freiheit, der jede Welt gut genug ist, um sich in
ihrem Hochmute frei zu fühlen, ist mir ebenso in der Seele zuwider, als jene
natürliche Religion, welcher alle Religionen einerlei sind. Ich meine jene
uralte, lebendige Freiheit, die uns in großen Wäldern wie mit wehmütigen
Erinnerungen anweht, oder bei alten Burgen sich wie ein Geist auf die zerfallene
Zinne stellt, der das Menschenschifflein unten wohl zufahren heißt, jene
frische, ewig junge Waldesbraut, nach welcher der Jäger frühmorgens aus den
Dörfern und Städten hinauszieht, und sie mit seinem Horne lockt und ruft, jener
reine, kühle Lebensatem, den die Gebirgsvölker auf ihren Alpen einsaugen, dass
sie nicht anders leben können, als wie es der Ehre geziemt. - Aber damit ist es
nun aus. - Wenn unserer Altvordern Herzen wohl mit dreifachem Erz gewappnet
waren, das vor dem rechten Strahle erklang, wie das Erz von Dodona; so sind die
unsrigen nun mit sechsfacher Butter des häuslichen Glückes, des guten
Geschmacks, zarter Empfindungen und edelmütiger Handlungen umgeben, durch die
kein Wunderlaut bis zu der Talggrube hindurchdringt. Zieht dann von Zeit zu Zeit
einmal ein wunderbarer, altfränkischer Gesell, der es noch ehrlich und ernstaft
meint, wie Don Quijote, vorüber, so sehen Herren und Damen nach der Tafel
gebildet und gemächlich zu den Fenstern hinaus, stochern sich die Zähne und
ergötzen sich an seinen wunderlichen Kapriolen, oder machen wohl gar auch
Sonette auf ihn, und meinen, er sei eine recht interessante Erscheinung, wenn er
nur nicht eigentlich verrückt wäre. - Das alte große Racheschwert haben sie
sorglich vergraben und verschüttet, und keiner weiß den Fleck mehr, und darüber
auf dem lockern Schutt bauen sie nun ihre Villen, Parks, Eremitagen und
Wohnstuben, und meinen in ihrer vernünftigen Dummheit, der Plunder könne so
fortbestehn. Die Wälder haben sie ausgehauen, denn sie fürchten sich vor ihnen,
weil sie von der alten Zeit zu ihnen sprechen und am Ende den Ort noch verraten
könnten, wo das Schwert vergraben liegt.« - Leontin ergriff hierbei hastig die
Gitarre, die neben ihm auf dem Rasen lag, und sang:
»O könnt ich mich niederlegen
Weit in den tiefsten Wald,
Zu Häupten den guten Degen,
Der noch von den Vätern alt!
Und dürft
