 Friedrich vom ersten Blicke an mit der ihr
eigentümlichen Gewalt. Seitdem er aber in jener Nacht auf dem Schloss von ihr
fortgeritten, als sie bemerkte, wie ihre Schönheit, ihre vielseitigen Talente,
die ganze Phantasterei ihres künstlich gesteigerten Lebens alle Bedeutung verlor
und zuschanden wurde an seiner höheren Ruhe, da fühlte sie zum ersten Male die
entsetzliche Lücke in ihrem Leben, und dass alle Talente Tugenden werden müssen
oder nichts sind, und Schauderte vor der Lügenhaftigkeit ihres ganzen Wesens.
Friedrichs Verachtung war ihr durchaus unerträglich, obgleich sie sonst die
Männer verachtete. Da raffte sie sich innerlichst zusammen, zerriss alle ihre
alten Verbindungen und begab sich in die Einsamkeit ihres Schlosses. Daher ihr
plötzliches Verschwinden aus der Residenz.
    Sie mochte sich nicht stückweise bessern, ein ganz neues Leben der Wahrheit
wollte sie anfangen. Vor allem bestrebte sie sich mit ehrlichem Eifer, den
schönen, verwilderten Knaben, den wir dort kennengelernt, zu Gott
zurückzuführen, und er übertraf mit seiner Kraft eines unabgenützten Gemütes gar
bald seine Lehrerin. Sie knüpfte Bekanntschaften an mit einigen häuslichen
Frauen der Nachbarschaft, die sie sonst unsäglich verachtet, und musste beschämt
vor mancher Trefflichkeit stehen, von der sie sich ehedem nichts träumen ließ.
Die Fenster und Türen ihres Schlosses, die sonst Tag und Nacht offenstanden,
wurden nun geschlossen, sie wirkte still und fleißig nach allen Seiten und
führte eine strenge Hauszucht. Friedrich sollte ihretwegen von alledem nichts
wissen, das war ihr, wie sie meinte, einerlei. -
    Es war ihr redlicher Ernst, anders zu werden, und noch nie hatte sich ihre
Seele so rein triumphierend und frei gefühlt, als in dieser Zeit. Aber es war
auch nur ein Rausch, obgleich der schönste in ihrem Leben. Es gibt nichts
Erbarmungswürdigeres, als ein reiches, verwildertes Gemüt, das in verzweifelter
Erinnerung an seine ursprüngliche, alte Güte, sich lüderlich an dem Besten und
Schlechtesten berauscht, um nur jenes Andenken loszuwerden, bis es, so
ausgehöhlt, zugrunde geht. Wenn uns der Wandel tugendhafter Frauen wie die Sonne
erscheint, die in gleich verbreiteter Klarheit, still und erwärmend, täglich die
vorgeschriebenen Kreise beschreibt, so möchten wir dagegen Romanas rasches Leben
einer Rakete vergleichen, die sich mit schimmerndem Geprassel zum Himmel
aufreisst und oben unter dem Beifallsklatschen der staunenden Menge in tausend
funkelnde Sterne ohne Licht und Wärme prächtig zerplatzt.
    Sie hatte die Einfalt, diese Grundkraft aller Tugend, leichtsinnig
verspielt; sie kannte gleichsam alle Schliche und Kniffe der Besserung. Sie
mochte sich stellen, wie sie wollte, sie konnte, gleich einem Somnambulisten,
ihre ganze Bekehrungsgeschichte wie ein wohlgeschriebenes Gedicht, Vers vor
Vers, inwendig vorauslesen, und der Teufel saß gegenüber und lachte ihr dabei
immerfort ins Gesicht. In solcher Seelenangst dichtete sie oft die
