, der Strauss aber wird oft als König der Vögel gepriesen, weil er mit großem
Getös seinen Anlauf nimmt, aber er kann nicht fliegen.«
    Es ist nichts künstlicher und lustiger, als die Unterhaltung einer solchen
Gesellschaft. Was das Ganze noch so leidlich zusammenhält, sind tausend feine,
fast unsichtbare Fäden von Eitelkeit, Lob und Gegenlob usw., und sie nennen es
denn gar zu gern ein Liebesnetz. Arbeitet dann unverhofft einmal einer, der
davon nichts weiß, tüchtig darin herum, geht die ganze Spinnewebe von ewiger
Freundschaft und heiligem Bunde auseinander.
    So hatte auch heute Friedrich den ganzen Tee versalzen. Keiner konnte das
künstlerische Weberschiffchen, das sonst, fein im Takte, so zarte ästhetische
Abende wob, wieder in Gang bringen. Die meisten wurden misslaunisch, keiner
konnte oder mochte, wie beim babylonischen Baue, des andern Wortgepräng
verstehen, und so beleidigte einer den andern in der gänzlichen Verwirrung.
Mehrere Herren nahmen endlich unwillig Abschied, die Gesellschaft wurde kleiner
und vereinzelter. Die Damen gruppierten sich hin und wieder auf den Ottomanen in
malerischen und ziemlich unanständigen Stellungen. Friedrich bemerkte bald ein
heimliches Verständnis zwischen der Frau vom Hause und dem Schmachtenden. Doch
glaubte er zugleich an ihr ein feines Liebäugeln zu entdecken, das ihm selber zu
gelten schien. Er fand sie überhaupt viel schlauer, als man anfänglich ihrer
lispelnden Sanftmut hätte zutrauen mögen; sie schien ihren schmachtenden
Liebhaber bei weitem zu übersehen und, sehr aufgeklärt, selber nicht so viel von
ihm zu halten, als sie vorgab und er aus ganzer Seele glaubte.
    Wie ein rüstiger Jäger in frischer Morgenschönheit stand Friedrich unter
diesen verwischten Lebensbildern. Nur die einzige Gräfin Romana zog ihn an.
Schon das Gedicht, das sie rezitiert, hatte ihn auf sie aufmerksam gemacht und
auf die eigentümliche, von allen den andern verschiedene Richtung ihres Geistes.
Er glaubte schon damals eine tiefe Verachtung und ein scharfes Überschauen der
ganzen Teegesellschaft in derselben zu bemerken, und seine jetzigen Gespräche
mit ihr bestätigten seine Meinung. Er erstaunte über die Freiheit ihres Blicks
und die Keckheit, womit sie alle Menschen aufzufassen und zu behandeln wusste.
Sie hatte sich im Augenblick in alle Ideen, die Friedrich in seinen vorigen
Äußerungen berührt, mit einer unbegreiflichen Lebhaftigkeit hineinverstanden und
kam ihm nun in allen seinen Gedanken entgegen. Es war in ihrem Geiste, wie in
ihrem schönen Körper ein zauberischer Reichtum; nichts schien zu groß in der
Welt für ihr Herz; sie zeigte eine tiefe, begeisterte Einsicht ins Leben wie in
alle Künste, und Friedrich unterhielt sich daher lange Zeit ausschließlich mit
ihr, die übrige Gesellschaft vergessend. Die Damen fingen unterdes schon an zu
flüstern und über die neue Eroberung der Gräfin die Nasen zu rümpfen.
    Das Gespräch der beiden wurde endlich durch
